Freitag, 23. Dezember 2011

Das Jahr ohne Weihnachten


Diesen Post habe ich bereits am 23. Dezember geschrieben, bin aber nie dazugekommen ihn zu veroeffentlichen...

Morgen wird in der ganzen christlichen Welt Weihnachten gefeiert. In der ganzen? Nein, es gibt ein paar Länder, in denen morgen kein Weihnachten gefeiert wird - eines davon ist Russland. Während der Sowjet-Zeit wurde das Neue Jahr als Ersatz für Weihnachten propagiert und deshalb ist hier jetzt eben der grösste Feiertag im Jahr das Neue Jahr. Die meisten Leute wissen nicht einmal, wann in Europa Weihnachten gefeirt wird. Natürlich wird auch alles weihnachtlich (bzw. neujährlich)  geschmückt, im Stadtzentrum steht ein Weihnachtsbaum und es sind überall Bilder und Statuen von Drachen zu sehen, denn nächstes Jahr wird nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Drachen. Dessen ist man sich hier viel mehr bewusst als in der Schweiz. Am 24. Hätte ich sogar Schule; dass ich nicht hingehen muss habe ich allein dessen zu verdanken, dass meine Klassenlehrerin vor längerem schon entschieden hat, dass ich samstags nicht zur Schule kommen muss, damit ich zwei Tage zur Erholung habe. Eigentlich fast schade; es wäre bestimmt eine spezielle Erfahrung gewesen an Weihnachten zur Schule zu gehen.  Langsam finde ich es auch nicht mehr so schlimm, ein Jahr keine Weihnachten zu feiern, und ich habe ja immer noch das Neue Jahr. An diesem Tag werden hier die Geschenke verteilt, Ded Moroz (eine Art Weihnachtsmann) und Snegurotschka (seine weibliche Begleitung) kommen zu diesem Zweck zu den Kindern und der Tannenbaum wird aufgestellt.
 

Zeichnungen und Gedichte zum Thema Neues Jahr in meiner Schule

geschmücktes Klassenzimmer


Übrigens hatte ich heute meinen letzten Schultag. Das aber nur deshalb, weil ich am Sonntag für drei Wochen nach China gehe. Ja, China! Ich freue mich total darauf, aber meine Klassenkameraden finden das nicht extrem speziell. Es waren praktisch alle schon einmal dort und sie können meine Vorfreude nicht so zu hundert Prozent verstehen. Aber in einem Jahr Russland und China zu bereisen ist doch einfach unglaublich! Zwei völlig unterschiedliche Welten. Dorthin gehe ich mit der Schule der Austauschschüler in Wladiwostok. Zuerst werden wir zwei Wochen in Harbin sein und dann noch fünf Tage in Peking. In Harbin haben wir jeden Tag am Morgen Chinesischunterricht. Meine Motivation, diese Sprache zu lernen hält sich ehrlich gesagt in Grenzen, denn ich glaube nicht, dass man nach zwei Wochen so viel kann und Russisch steht im Moment sowieso im Vordergrund. Mein Counsellor war nicht so angetan davon, dass Vinício und ich den wichtigsten Feiertag Russlands nicht im Land selbst verbringen werden, hat schlussendlich aber doch zugestimmt. Sie hat ja schon Recht damit und ich wäre am Neuen Jahr  sehr gerne in Russland gewesen, aber meine Gastfamilie meinte, dass viele Russen die Feiertage in China verbringen würden, von daher ist es auch wieder nicht so ungewöhnlich.

Montag, 21. November 2011

Wladiwostok und Winter

So,  ich lasse auch mal wieder etwas von mir hören.

Wie schon angekündigt war ich während der Ferien für fünf Tage in dem vier Autostunden entfernten Wladiwostok.  Am Sonntag, also am Tag an dem ich abreiste flog auch meine Gastschwester nach Deutschland. Sie hatte endlich ihr Visum erhalten und ihre Gastfamilie war auch wieder aus den Ferien zurückgekehrt. Ich wollte sie am Morgen noch verabschieden und habe mir deshalb extra den Wecker auf meinem Handy gestellt. Russland stellt  dieses Jahr zum ersten Mal nicht mehr von Sommer- auf Winterzeit um. Das wusste mein Handy dummerweise nicht und hat mich eine Stunde zu spät geweckt; Katja war schon weg. Ich habe mich soooo geärgert, denn wer weiss, wann ich sie zum nächsten Mal sehen werde...
Die fünf Tage Wladiwostok waren genial! Ich habe dort in einer Gastfamilie bestehend aus Eltern, 23-jähriger Bruder und 17-jähriger Schwester, die selbst ein Jahr mit Rotary in Indonesien war und Hund gewohnt. Ich habe mich irgendwie sofort zu Hause gefühlt, denn es war alles so ähnlich wie hier: Die Wohnung, das Haustier eine super fürsorgliche Mutter, ein witziger Vater...
Am Morgen gingen wir (also Vinicio und ich) jeweils mit den anderen Austauschschülern zur Schule. Diese gehen nämlich alle in die gleiche Privatschule, deshalb haben sie auch keine Ferien. Sie unterscheidet sich in ziemlich vielen Punkten von meiner Schule: Die Lektionen dauern nicht 45 Minuten sondern eine Stunde und zwanzig Minuten, die Klassen sind kleiner (10-15 Leute)  und während den Stunden kann man sich praktisch so laut mit seinem Banknachbar unterhalten wie man will. Das ist es auch was ich mit Fritz, dem Austauschschüler von Deutschland, mit dem ich in der Klasse war die ganze Zeit über gemacht habe. Wir hätten eigentlich jeden Tag drei Stunden Schule gehabt, sind aber meist nicht zu allen Lektionen gegangen, denn darum, ob ein paar Austauschschüler fehlen kümmert sich hier niemand. Wir sind dann jeweils in das Cafe neben der Schule gesessen und haben Karten gespielt, was in Russland in der Öffentlichkeit eigentlich verboten wäre:) Danach gingen wir durch Wladiwostok spazieren. Diese Stadt ist viiiel europäischer Nachodka. Die Strassen sind besser, es hat überall Bildschirme auf denen Werbung gezeigt wird und es sieht einfach moderner und auch etwas sauberer aus. Ausserdem hat es den ganzen Tag Stau. Wirklich den ganzen Tag, ohne Ausnahme! Und es gibt die schönsten Sonnenuntergänge hier, die ich jemals gesehen habe. In Wladiwostok haben mir zwar immer alle Leute ihr Beileid ausgedrückt, dass ich in einem "Dorf" wie Nachodka wohne (ich habe ihnen nicht gesagt, dass ich in der Schweiz in einem 800-Seelendorf lebe), aber ich war doch froh, nach 6 Tagen in dieser hektischen Stadt wieder in mein "Dörfchen" zurückkehren zu dürfen.


Ein patriotisches Foto mit allen Austauschschülern plus zwei russischen Begleitern

Am letzten Mittwoch hat es hier zum ersten Mal geschneit! Zwar nicht viel, aber der Schnee ist ein Weile liegen geblieben, was mich unglaublich gefreut hat! Am Samstag hat es dann nochmals geschneit, und es hat noch immer ein wenig Schnee draussen. Es hat hier überhaupt ziemlich abgekühlt: Heute Morgen hatte es -10 Grad und dazu starker Wind. Ich habe jetzt auf meine russische Winterjacke gewechselt, und bin echt froh, dass ich sie habe. Und enttäuscht, dass ich nicht in Sibirien platziert wurde bin ich auch nicht mehr; diese Temperaturen reichen mir bei weitem.
auf dem Nachhauseweg von der Schule
Gestern ging ich mit drei Mädchen aus meiner Klasse Сумерки (= twilight) schauen. Ich kann - nicht ganz ohne Stolz - sagen, dass ich den ganzen Film verstanden habe. Man muss vielleicht noch zugeben, dass ich das Buch schon gelesen habe… Danach gingen wir in Royal Burger, das ist praktisch der russische McDonald’s, nur gibt es hier viel besseren Salat und die Pommes sind absolut ungeniessbar.

Ansonsten ist wirklich nicht viel Neues geschehen. Ich werde aber versuchen, in Zukunft keine solch langen Pausen mehr zu machen, aber ich hatte einfach überhaupt keine Lust zu schreiben.

Montag, 7. November 2011

Halloween


Vorweg: Diesen Eintrag habe ich schon vor über einer Woche, also am letzten Samstag verfasst, hatte bisher aber keinen Internetzugang auf meinem Laptop. Bei Zeitangaben also immer eine Woche zurückrechnen:))

Gestern hatten wir eine von Rotary organisierte Halloweenfeier. Ich hatte schon seit drei Wochen erfolglos nach einem Kostüm Ausschau gehalten, und das hat sich auch bis Donnerstag, also dem Tag vor Halloween nicht geändert. Ich habe dann meiner Banknachbarin Vika von meinem Leid erzählt, und dass ich wohl einer Schneiderin anrufe, damit sie mir ein Kostüm macht. Ich wollte nämlich als Banshee (eine Art Geist) gehen, und dafür brauchte ich einfach nur ein einfaches, weisses Kleid. Vika meinte dann, dass sie mir helfen würde - wenn ich denn auch wolle - denn ihre Mutter sei selbst Schneiderin, und sie habe ihr schon oft zugeschaut. Natürlich wollte ich! Und so sind wir nach der Schule zu ihrer Mutter ins Geschäft gegangen, und habe weissen Stoff für mein Kleid gekauft. Bei Vika zu Hause haben wir dann angefangen zu schneiden und zu nähen. Also eigentlich hat ja Vika das meiste gemacht, ich habe ihr einfach geholfen. Da wir nicht fertig wurden, haben auf den nächsten Tag wieder abgemacht. Wir haben mit etwa vier Stunden gerechnet, die wir noch benötigen, um alles fertigzustellen. Mein Counsellor hat mich dann aber angerufen, dass wir schon zwei Stunden früher dort sein sollten, weil der Raum noch geschmückt werden musste. Wir hatten also nur zwei Stunden Zeit, Vika hatte am Tag zuvor nicht wie gedacht noch Zeit, daran weiter zu nähen und zu allem Übel funktionierte die Nähmaschine nicht. Also habe wir alles von Hand genäht und ich musste Vika von vielen Perfektionen abhalten. Schlussendlich haben wir es aber geschafft, und ich bin nur zehn Minuten zu spät gekommen! Das ist hier sowieso nicht so schlimm wie in der Schweiz. Fünf bis zehn Minuten nimmt einem hier (fast) niemand übel.
Die Halloweenparty an sich war super! Die Teilnehmer waren alle um die 16 Jahre alt und gehen in ihrer Freizeit in eine Englischschule. Das beste war, dass alle acht Austauschschüler aus Wladiwostok kamen. Vinício, Dasha (der Volunteer von Rotary) und ich haben das ganze moderiert (auf Englisch versteht sich). Meine Gastschwester, eine Mitschülerin von mir und Stas haben an der Bar gearbeitet, wobei es dort nur Cola und Pizza gab. Wir haben verschiedene Spiele gemacht und es gab einen Kostümwettbewerb. Ratet mal, wer gewonnen hat…? Ja, ich! Es hat sich also gelohnt, so lange daran zu arbeiten!
Unter den Austauschschülern aus Wladiwostok war auch ein Deutscher. Er war nicht auf der Orientation, weil er ohne Visum nach Russland kam und deswegen nochmals zurück musste. Aber das ist eine andere Geschichte. Deutsch zu sprechen hat sich am Anfang echt komisch angefühlt, und in den ersten zwei Minuten hatte ich ziemlich Mühe, mich auszudrücken. Man gewöhnt sich einfach sehr an Russisch und Englisch.
v.r.n.l: Dasha, Katja, Vinicio, Elina, ich und Stas

Am Tag darauf gab es nochmals eine Halloweenparty, dieses Mal einfach für die kleineren Kinder. Wir haben nicht mehr auf Englisch, sondern Russisch moderiert, was eigentlich heisst, dass ich mich nur kurz vorgestellt habe, und nachher die Kinder bei den Spielen etwas angefeuert. Den Rest hat Dasha gemacht. Es kamen auch am Samstag ein paar der Austauschschüler aus Wladiwostok, dieses Mal einfach um zu helfen. Die anderen hatten ein Programm mit den Familien, in denen sie für die vier Tage in Nachodka lebten. Es waren alle in extrem reichen Familien untergebracht, zwei sogar bei Nachfahren von Peter dem Grossen! Ihr Nachname ist Romanov, sie haben ein riesen Haus mit Banja und Swimmingpool, ihr 13-jähriger Sohn hat schon ein Auto und sie sind sogar im Besitz eines Flugzeuges! Es gibt sie also doch, die reichen Russen.
Nach der Party hat meine Counsellorin Vinício und mich zur Seite genommen und meinte: „Na, soll ich euch ein Geheimnis verraten? Ihr fahrt morgen mit den anderen für fünf Tage nach Wladiwostok.“ Ich habe mich einfach nur unglaublich gefreut; mein erstes Mal in einer grossen Stadt in Russland!

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Zeitreise


Wie bereits angekündigt, ging ich am Freitag für drei Tage in eine Art Lager. Dabei waren 26 Kinder zwischen 8 und 16, Vinício, ein Freund von ihm, meine Koordinatorin (Rotary) und zwei weitere Leiterinnen. Um dorthin zu kommen verbrachten wir drei Stunden in einem Auto aus dem 2. Weltkrieg (vielleicht war es aber auch nur ein Witz und ich habe es nicht bemerkt…). Natürlich blieben uns die „tollen“ Russischen Strassen auch dieses Mal nicht erspart. Unser Haus befand sich auf einer Art grossen Waldlichtung. Es gab noch ein paar andere Häuser in der Gegend, von Leuten die das ganze Jahr über dort wohnen. Warum man sich das antut ist mir jedoch ein Rätsel. Es gibt dort weder einen Laden noch Internet- oder Mobilnetzanschluss, und zumindest bei unserem Haus auch kein fliessend Wasser. Auf „unserem“ Grundstück war , wie schon erwähnt ein Haus, das aus 4 Räumen bestand, zwei Plumpsklos, eine Feuerstelle und eine Banja. Da wir erst um fünf Uhr abends angekommen sind, haben wir nicht am ersten Tag vor allem mit einrichten, herumsitzen und Wasserschleppen verbracht. Nicht dass ich jemals einen Eimer getragen hätte, das wurde von den Jungs nicht zugelassen. Die Nacht war schrecklich. Da wir auf einem Kochherd, wie es ihn vor hundert Jahren schon gab kochten (also auf Feuer), war es im ganzen Haus extrem warm, denn Türen zwischen den Räumen gab es nicht. Ausserdem war die Matratze extrem unbequem und ja… irgendwann habe ich dann auch geschlafen.
Am Samstag gingen wir gleich nach dem Frühstück in den Wald spazieren. Der Wald hier ist echt toll! Eigentlich wie in der Schweiz, nur hat es viel mehr Birken, und auch sonst gefällt er mir hier irgendwie besser. Es hat ausserdem unglaublich viele riesige Ameisenhaufen. Die Kinder haben dann jedes Mal, wenn wir an einem vorbeikamen, ein Zweiglein hineingesteckt und es nachher abgeleckt, da es anscheinen süss war. Ich wurde auch ganz fleissig mit irgendwelchen Kernen versorgt, die sie aus einer Art Tannzapfen herausgenommen hatten. Ausserdem sollte ich mir ganz viele Namen von Bäumen und Gräsern merken. Erinnern kann ich mich aber nur an das Wort für Ahorn…

Keine Angst, das ist nicht der Fluss, in dem wir Wasser geholt haben:)
Wieder zurück assen wir zu Mittag. Danach holte Vinício seine Gitarre hervor und wir sangen. Also eigentlich nur Vinício und ich, denn alle Lieder, die er auf der Gitarre spielen kann sind entweder Englisch oder Portugiesisch, und Russische Kinder können nur Russische Lieder. Später hat mir übrigens ein Mädchen, das uns beim Singen zugehört hat eine Zeichnung geschenkt, auf der eine Frau beim Singen zu sehen ist. Sie erklärte mir dann, das sei ich, weil so schön singe. Süss! Im Laufe des Nachmittags gingen wir in einen Zoo. Also eigentlich war es einfach eine Frau, die viele Tiere hatte, wie Ziegen, Truthahne oder Hunde. Die Kinder waren auch ganz begeistert, diese mit Kohl füttern zu können.
Am Abend stand Banja auf dem Programm. Das erste Mal in Russland und das zweite Mal in meinem Leben. Zuerst mussten wir sie aber noch heizen (mit Holz versteh sich) und nochmals viiiel Wasser holen. Aber es hat sich definitiv gelohnt!
Am Sonntag ging es dann mit der Elektritschka nach Hause. Sie erinnert ein bisschen an unsere Züge vor fünfzig Jahren, vielleicht einfach etwas weniger Laut. Um zum Bahnhof zu kommen mussten wir einen ziemlich langen Weg zurücklegen, und die Hälfte davon gingen wir AUF den Gleisen. Man gewöhnt sich daran, und gegen Ende hatte ich nicht einmal mehr Angst, gleich von einem Zug überfahren zu werden:)
 
Das Wochenende war, trotz fehlenden Komforts super, und ich würde sofort nochmal gehen!

Freitag, 14. Oktober 2011

Von Busfahrten und Fitness

Der Rotary-Club Nachodka organisiert dieses Jahr eine Halloweenparty. Vinício, Dasha (sie hat bei der Orientation geholfen) und ich werden das ganze moderieren. Am Samstag gingen wird deshalb in die beiden grossen Einkaufszentren der Stadt, um nach Kostümen Ausschau zu halten. Natürlich haben wir nichts gefunden, denn in Russland wird Halloween eigentlich nicht gefeiert. Dafür bin ich zum ersten mal alleine Bus gefahren. Eine Fahrt kostet, egal wohin, immer 13 Rubel (umgerechnet etwa 40 Rp.), die man dem Kontrolleur, der neben der Eingangstür sitzt bezahlt. Zuerst habe ich mit Dasha zwanzig Minuten auf meinen Bus gewartet, denn es war schon Abend, und folglich fahren sie nicht mehr so häufig. Es war dann auch schon dunkel als der Bus endlich kam. Während der Fahrt war auf einmal ein Knall zu hören, und als ich mich umdrehte, sah ich einen Mann am Boden liegen. Ich war ziemlich geschockt, denn ich dachte er habe einen Herzinfarkt oder so erlitten. Von den anderen Passagieren schien sich aber niemand wirklich um ihn zu kümmern, bis der Kontrolleur kam, ihn rüttelte und aufforderte aufzustehen. Mir ging allmählich ein Licht auf, dass er wohl keinen Herzinfarkt erlitten hatte, sondern einfach nur stock betrunken war. Leider sieht man hier solche Leute noch öfters auf der Strasse, es hat also etwas auf sich mit diesem Stereotypen. Ich habe es übrigens sicher nach Hause geschafft, obwohl die Stationen weder angesagt noch -gezeigt werden.
Das Einkaufszentrum "Tichokeanski"
Dasha,Vinicio und ich
 Seit Montag kommt Katja nicht mehr zur Schule, weil sie gedacht hat, sie könne am Mittwoch nach Deutschland fliegen, und sich schon von allen verabschiedet hat. Es hat sich dann aber herausgestellt, dass ihre Gastfamilie in den Ferien ist. Deshalb fliegt sie erst am 30. Oktober. Ich bin froh, dass sie noch etwas hier bleibt, es wird bestimmt um einiges langweiliger ohne sie. Als ich am Montagmorgen in der Schule ankam, waren alle ganz verwundert, dass ich den Weg zur Schule ganz alleine geschafft habe. Ich meine ich habe vielleicht nicht gerade den besten Orientierungssinn, aber ich hatte drei Wochen Zeit, um mir den ganzen Weg einzuprägen. Irgendwie werde ich hier etwas unterschätzt…
Das wurde aber am Mittwoch geändert. In unserem Geschichtszimmer steht ein (völlig verstimmtes) Klavier. Ich habe in der Pause ein paaren ein das einzige Lied, das ich auswendig kann darauf vorgespielt. Diese waren so verzückt von meinen Klavierkünsten, dass ich es nachher gleich nochmals der Lehrerin vorspielen musste. Nach der Stunde kam Katja (nicht meine Gastschwester) zu mir, und meinte, sie habe fast geweint.
Überhaupt war Mittwoch ein spezieller Tag. Im Sportunterricht haben wir Krafttraining gemacht. Da aber die Schule nicht im Besitz eines Kraftraumes ist, muss man eben andere Mittel finden. Das ging in unserem Fall so: Jeweils vier Leute bekamen ein Bänkchen. Dieses wurde auf Kommando der Sportlehrerin über den Kopf gehoben und beim nächsten Kommando wieder abgestellt. Mann, ich hatte echt Angst, dass mir das Ding auf den Kopf fällt; ich habe es aber zum Glück heil überstanden. Liegestützen sind mir aber definitiv lieber! In der Garderobe traf ich noch die Kinder an, denen ich am Lehrertag Englisch unterrichtet hatte. Sie liessen mich kaum mehr gehen, sie hatten so viele Fragen. Übrigens wollen jetzt alle mal in der Schweiz Ferien machen. Eigentlich sollte mich ja Schweiz Tourismus sponsern:)
Nach dem regulären Unterricht gab es einen Wettbewerb in Morgengymnastik, denn wie schon erwähnt, wird das hier jeden Tag praktiziert. Jede Klasse hatte ihre Gymnastik der Jury, bestehend aus Sportlehrern, vorzuführen. Wir haben unsere Übung erst zehn Minuten vor der Vorführung, auf Drängen unserer Klassenlehrerin, fertiggestellt. Denn am Morgen machen wir in den letzten vierzig Sekunden des Liedes nie etwas. Wer gewonnen hat, weiss man noch nicht, ich rechne meiner Klasse aber nicht besonders gute Chancen aus.

ein Teil meines Schulwegs
In zehn Minuten gehe ich los, um mit jemandem von Rotary, Vinício und einer Horde Kinder, zwei Tage im Wald zu verbringen. Davon, was mich erwartet, habe ich keine Ahnung, aber in Russland ist man ja schliesslich spontan.


Mittwoch, 5. Oktober 2011

Lehrertag

Heute war in ganz Russland, wie jedes Jahr am 5. Oktober, Lehrertag. Dabei gratuliert man den Lehrern zum Lehrertag und schenkt ihnen Blumen und Konfekt. Zusätzlich müssen die Lehrer nicht unterrichten; das wird von den Schülern der ältesten Klassen übernommen. 
Katja und ich gingen am Morgen wie immer um 7:40 aus dem Haus, obwohl der Unterricht erst um neun anfangen würde. Draussen hat es übrigens jeden Morgen um die zehn Grad, also noch ziemlich angenehm. In der Schule waren überall Plakate mit der Aufschrift "Alles Gute zum Lehrertag" aufgehängt und es tönte Musik durch die Lautsprecher. Wir trafen uns mit Elina, Katjas bester Freundin, und gingen zu den Lehrern, um ihnen Konfekt zu schenken. Ich hatte für meine Englischlehrerin und meine Mathe-/Klassenlehrerin etwas dabei. Das sind die einzigen beiden Lehrer, die schon etwas anderes gesagt haben als "Warum schreibst du nicht mit?" oder "Hänge deine Tasche auf den Stuhl!". Ich glaube, sie haben sich gefreut.
Um neun Uhr hat dann wie gesagt der Unterricht begonnen. Da die zweite elfte Klasse in Quarantäne ist, weil einer daraus irgendeinen Virus hat, wurde unsere Klasse auch als Lehrer eingesetzt. Ich sollte mit Elina zusammen die Klassen einer Englischlehrerin  übernehmen. Vom zu vermittelnden Stoff hatte ich keine Ahnung. Elina hatte mich am Tag zuvor nur mit der Anweisung nach Hause geschickt, auf ein A4 Blatt alle Zahlen von eins bis zwanzig aufzuschreiben.
Die erste Stunde war eine Katastrophe. Wir mussten eine neunte Klasse unterrichten, also eine Klasse ein Jahr unter uns. Während der Stunde wurden Games gespielt, geredet und Musik gehört. Die Stunde würde ich auch nicht wirklich mit Englischstunde betiteln, sondern eher als Versuch, eine Klasse zum Schweigen zu bringen mit gelegentlich ein paar Fetzen Englisch dazwischen.
Die beiden nächsten Stunden waren dann etwas besser. Es waren zwei vierte Klassen, die mehr Elan dabei waren. Es wurde zwar ebenso wenig Englisch gesprochen, aber ich konnte immerhin ein paar Schülern eine Aufgabe erklären, und das auf Russisch. Ich bin stolz auf michJ Wegen fehlendem Vatersnamen haben sie festgestellt, dass ich aus der Schweiz komme, und waren ganz entzückt. Ich wurde dann auch immer wieder aufgefordert einen Satz auf Schweizerdeutsch zu sagen. Ein Schüler wollte sogar meine Nummer!
Eine 4. Klasse. Habe ich schon erwähnt, dass wir an der Schule einen Dresscode haben? Schwarter Jupe oder schwarze Hosen und oben entweder weiss, schwarz oder blau, und ja nicht sportlich. Da heute ein Festtag war, war sie aber etwas gelockert.
In der letzten Stunde hatten wir dann nochmals eine neunte Klasse, die jedoch nicht ganz so schlimm war wie die erste. Sie interessierten sich aber auch eher dafür, dass ich aus der Schweiz kam als für Englisch. Danach hat uns unsere Klassenlehrerin zu unseren tollen Leistungen gratuliert, und verteilte Konfekt, das irgendwie nach Fisch schmeckte.
Fazit: Ich bin mir sicher, dass dieser Tag von einem Lehrer erfunden wurde, so einseitig sind die Vorteile verteilt. Ich werde sicher nie Lehrerin.  Ich bin heilfroh, dass es das in der Schweiz nicht gibt.

Montag, 3. Oktober 2011

Orientation


Ich habe eines der besten Wochenende meine Lebens hinter mir! Es war eine Orientation von Rotary für alle Austauschschüler, die im östlichen Teil Russlands wohnen.

Am Freitagmorgen kam ein Anruf von Rotary, ich hätte in vierzig Minuten in ihrem Büro zu sein. Ich dachte eigentlich, ich würde zur Schule gehen, aber das war natürlich viel besser. Im Rotary Büro traf ich die Chairperson von Rotary Russland und Vinício, einem Austauschschüler aus Brasilien, und fuhr mit ihnen in ein Kinderferienlager in der Nähe von Partisansk, wo wir die nächsten drei Tage verbringen sollten. Wir kamen am Morgen an, und haben alles vorbereitet. Am späten Nachmittag kamen dann die anderen Austauschschüler mit einem Bus dazu. Zwei davon kamen direkt aus den USA und hatten seit fast 24 Stunden nicht geschlafen. Wir waren insgesamt 15 Austauschschüler aus Taiwan, Thailand, Indonesien, Kanada, Brasilien, Kolumbien, Frankreich und den USA. Nachdem alle ihre Taschen ausgepackt hatten, gab es eine kurze Einführung und danach Abendessen in einem viel zu grossen Saal, denn wie gesagt, die Anlage ist für Kinderlager von zehnfacher Grösse gemacht. Wir hatten einander extrem viel zu erzählen, und es tat auch einfach gut, mal wieder richtig kommunizieren zu können, und nicht bei jedem Wort überlegen zu müssen, in welchen Fall man es jetzt setzen soll. 
Wald bei Partisansk. In Nachodka ist er noch grün.
Am Abend musste dann noch jeder sein Land vorstellen. Es gab ganz verschiedene Beiträge. Die Austauschschüler aus Taiwan und Thailand hatten einen Film über ihr Land dabei (die aus Taiwan bekommen das und anderes Werbematerial alles gratis von der Regierung!). Die zwei Leute aus den USA haben eine Art Theater gemacht, das echt witzig war, denn der Junge ist ein wirklich guter Schauspieler. Einige haben am Schluss ihrer Präsentation sogar noch die Nationalhymne ihres Landes vorgesungen. Darauf habe ich jedoch verzichtet.

Am zweiten Tag kam eine Psychologin und machte mit uns ein paar Spiele, wie Stofftiere in einer gewissen Reihenfolge  herumzuwerfen, und dabei aufzupassen, dass ja keines runterfällt. Die Spiele führten darauf hinaus, dass wir, wenn etwas nicht so läuft wie wir es wollen, nicht die anderen ändern sollen, sondern uns selbst, dann würden sich die anderen von alleine ändern, oder so.
Danach gab es noch ein paar Vorträge über Rotary, die 4-D-Regeln (no drinking, no driving, no drugs, no dating während des Austauschs) wurden nochmals repetiert, und wir redeten über Kulturschock. Unter anderem haben wir gelernt, dass wir uns jetzt gerade in einem Stimmungshoch befinden, es aber kontinuierlich nach unten geht, bis wir nach drei, vier Monaten am Tiefpunkt sind. Dann geht es wieder nach oben und ca. einen Monaten vor unserer Abreise kommt ist die beste Zeit. Die geht dann aber auch wieder vorbei, weil es wieder nach Hause geht. Jetzt weiss ich ja, was mich erwartet.
Am Nachmittag gingen wir nach Partisansk an ein Konzert von einem Chor von Jugendlichen, die in Russischen Trachten traditionelle russische Lieder sangen, und das alles nur für uns Austauschschüler! Es hat echt gut geklungen. Hier ein Video zum Beweis:
Am Abend gab es eine Talentshow. Es wurde Yoga vorgezeigt, gesungen, eine (indonesische?) Kampfsportart vorgezeigt,  jongliert und Samba getanzt. Ich habe übrigens auch mit den Brasilianern Samba getanzt, nachdem es mir vorher fünf Minuten lange vorgezeigt wurde. Dass es absolut peinlich war, schreibe ich jetzt nicht. Danach gab es noch eine Disco, und ja, Südamerikaner tanzen definitiv besser als Europäer. Es war echt witzig, obwohl wir so wenig Leute waren. 

Auf der Exkursion in Partisansk. Es fehlen jedoch noch ein paar Austauschschüler.
Am Sonntag gab es nochmals ein paar Infos, wie welche Fragen wir mit unseren Gastfamilien klären sollten (wer wäscht die Wäsche, dürfen wir die die Zahnpasta benutzten usw.). Nach dem Mittagessen stiegen wir in den Bus, und fuhren nach Nachodka. Auf dem Weg dorthin habe ich den Südamerikanern noch ein wenig Schweizerdeutsch beigebracht; vor allem Fluchwörter (dabei sollte noch erwähnt werden, dass es war nicht meine Idee war). Ihr solltet echt auch mal hören, wenn sich Südamerikaner gegenseitig auf Schweizerdeutsch beschimpfen;) 
In Nachodka haben wir auf einem Hügel ein Denkmal angeschaut und nochmals ein paar Fotos gemacht. Danach wurden Vinício und ich in die Nähe unserer Wohnungen gefahren, und es hiess Abschied nehmen. Einige werde ich im Oktober wiedersehen, einige im März, und einen Kolumbianer wohl gar nicht mehr, denn er wohnt extrem weit weg von mir und reist, wie alle Südamerikaner, schon wieder im Januar ab, was echt schade ist, denn mit ihnen habe ich mich am besten verstanden. Es ist ein ziemlich komisches Gefühl, jemandem für immer Tschüss zu sagen...

Das Wochenende war einfach nur wunderbar. Der Kanadier gemeint, er habe mich noch fast nie NICHT lächeln gesehen. Das hat mir bis jetzt echt noch niemand gesagt! Sonst kenne ich eher Kommentare wie: „Lächle mal, du siehst immer so ernst aus.“ (Ich hoffe Lolo liest da:))) Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon, alle wiederzusehen!

Sonntag, 25. September 2011

Wasserfall und russische Feste


Am Donnerstag hatte meine Klasse Gesundheitstag. Das heisst, man hat einen Tag lang keine Schule und geht auf eine Exkursion. In unserem Fall ging es zu einem Wasserfall in die Taiga. Wir fuhren mit einer Marschrutka, einem Kleinbus, über drei Stunden dorthin. Dabei sind wir nur etwa vierzig Minuten auf geteerten Strassen gefahren, der Rest war holpriger Kiesweg durch den Wald und über kleinere Flüsse, über die nur zum Teil Brücken führten. Wir konnten aber nicht ganz bis zum Wasserfall fahren, und mussten den letzten Teil noch zu Fuss zurücklegen. Der Weg war steil und es hatte überall Wurzeln; ausserdem gingen wir ziemlich schnell. Zu meiner grossen Überraschung hat nicht jemand reklamiert, und das nach einer solchen Sportstunde! Der Wasserfall war zwar nicht riesig, aber wunderschön (Fotos folgen). Als wir oben angekommen waren, nahmen als erstes gleich alle ihren Fotoapparat hervor und begannen Fotos zu schiessen. Zuerst ein zwei vom Wasserfall und dann von sich selbst oder von sich selbst mit ein paar Kollegen. Und das eine geschlagene Stunde! Somit wäre auch klar, was das Lieblingshobby der Mädchen hier ist. Nachdem alle fertig fotografiert hatten, ging es auch schon wieder nach unten. Bei der Marschrutka angekommen gab es Suppe und Salat zum Mittagessen. Als wir fertig gegessen hatten, sind wir wieder in die Marschrutka eingestiegen und den Weg nach Hause angetreten. Ein Junge hatte seine Gitarre mitgenommen, und so wurde der ganze Weg nach Hause gesungen. Es waren nur Russische Lieder dabei, und die Russischen Lieder, die ich kenne, lassen sich an einer Hand abzählen… So bin ich halt einfach daneben gesessen und habe zugehört.
Trotz der Lieder war es ein super Tag. Jetzt habe ich mit allen Leuten aus meiner Klasse mindestens einmal gesprochen, und muss sagen, es sind wirklich ausnahmslos alle nett! Was ich vor allem toll finde ist, dass sie noch immer versuchen, sich mit mir zu unterhalten, denn meistens verstehe ich schon mal gar nicht, was sie fragen, und wenn ich es dann mal verstehe, fehlen mir die Wörter um zu antworten. Ich glaube in der Schweiz wäre so jemand schon lange links liegen gelassen worden.

Am Freitagabend feierte die Grossmutter von Katja ihren 60. Geburtstag. Dafür hatte mir Katja extra mit dem Lockenstab Locken in die Haare gemacht, und von meiner Gastmutter konnte ich ein Kleid ausleihen. Denn das, was ich für ein solches Fest als genügend elegant bezeichnen würde, wird in Russland in die Schule angezogen. Es waren ca. dreissig Leute eingeladen. Das Fest war in einem Saal, in dem zwei lange Tische mit kalten Speisen drauf aufgestellt waren. Während des ganzen Abends lief Musik, und es standen immer wieder Leute auf, um ihre Gratulationen vorzulesen. Ausserdem war eine Frau engagiert, die das Programm etwas strukturierte. Sie trat unter anderem als Krankenschwester verkleidet auf, sang und machte Spiele mit den Gästen. Irgendwann im Laufe des Abends verabschiedete sie sich dann, und ab da wurde getanzt. Ich habe mich erfolgreich gegen alle Versuche gewehrt, mich auf die Tanzfläche zu schleppen, denn zu dieser Musik konnte ich einfach nicht tanzen. Zum Schluss liefen dann noch ein paar modernere Stücke, unter anderem Loca People, ein riesen Hit in Russland. Ich wurde schon mehrfach aufgefordert, zu übersetzen, was gesungen wird. Das ganze Lied besteht eigentlich aus folgenden Sätzen: All day, all night. Viva la música, viva las fiestas (wobei viva wie fifa augesprochen wird) und Johny la gente está muy loca. Für die, die es interessiert hier ist der Link dazu.
Der Abend war echt toll! Ich würde sagen, es war ein Russisches Fest mit allem drum und dran (natürlich auch Vodka und angetrunkenen Leuten:))

Schule II

Am Dienstag war eigentlich ein ganz normaler Schultag, aber meiner Meinung nach sind zwei davon erwähnenswert. Wir hatten insgesamt sechs Lektionen, darunter Sport. Sport hier ist - ziemlich speziell. Solange es nicht regnet oder es extrem kalt ist, hat man hier hat man immer draussen Sport. Ausserdem hat man hat eine Art Uniform: Mädchen müssen weisse T-Shirts und schwarte Hosen tragen; Jungs weisse T-Shirts und weisse Hosen. Unsere Sportlehrerin ist etwa Mitte fünfzig und leicht übergewichtig. Wenn sie irgendetwas sagt, dann immer in einem Ton, den man automatisch mit Militär assoziiert. Zuerst mussten wir vier Runden um den Fussballplatz rennen, wobei einige schon nach zwei Runden fanden, sie können nicht mehr weiter (wir sind wirklich nur gemütlich gejoggt!). Wenn man fertig war, musste man in einem Kreis gehen und dazu irgendwelche Übungen mit den Armen machen. Darauf wurde Weitsprung gemacht. Die Resultate der Mädchen waren unterirdisch. Ich bin einmal gesprungen, weil ich von Katja (nicht meine Gastschwester, ein anderes Mädchen) ausgefragt wurde, und erreichte 3,65m. Meiner Meinung nach ein schlechtes Resultat, aber hier war ich damit von 20 Mädchen die Drittbeste! Wenigstens ist jetzt die Lehrerin von mir begeistert.

An diesem Tag hatten wir auch noch Englisch. Es muss vielleicht noch gesagt werden, dass hier alle Englisch hassen. In meiner Klasse kann ich mich genau mit Elina, die jeden Sommer in Kanada auf eine Sprachschule geht, auf Englisch unterhalten kann. Die anderen bringen eigentlich nur einzelne Wörter hervor, und verstehen überhaupt nichts, wenn ich versuche, etwas auf Englisch zu erklären. Mich hat fast der Schlag getroffen, als mir erklärt wurde, dass alle schon seit der 1. Klasse, also neun Jahre Englisch haben.
Als die Englischlehrerin herausfand, dass ich in ihre Klasse kommen würde, war sie hellauf begeistert. Erstens natürlich, weil ich im Vergleich zu den Russen gut Englisch spreche, und dann auch noch Französisch, was sie nämlich auch spricht. Sie hat mir dann auf Französisch erklärt, dass sie es schon lange nicht mehr gesprochen hat, und mit mir gerne etwas üben würde. Die Stunde war eigentlich ganz witzig. Wir mussten einen Brief schreiben, und am Schluss, oh Wunder, musste ich meinen vorlesen.

Dienstag, 20. September 2011

Schule!

Ja, es ist schnell gegangen! Gestern Abend kam Yuri (mein Gastvater) nach Hause, und hat verkündet, dass ich ab dem folgenden Tag mit Katja zur Schule gehen werde. Ich war echt froh darüber, denn gestern war es ziemlich langweilig, den ganzen Tag alleine zu Hause zu sitzen, und sich dem Nichtstun zu widmen.
Ich stand um 6:30 auf, um um 7.40 bereit zu sein. Zugegeben es war etwas zu früh, aber Katja meinte am Abend, sie stehe immer um 6 Uhr auf, da dachte ich mir, dass sie vielleicht eine Stunde frühstücken oder so. Dem war zwar nicht so, aber das war nicht so schlimm. So konnte ich nämlich die Nachrichten schauen (ja, der Fernseher läuft schon beim Frühstück), und da war auf einmal - die Schweiz! Ich konnte es kaum glauben! Sie haben tatsächlich im Russischen Staatsfernsehen gezeigt, wie viel Schnee in der Schweiz gefallen ist! Ich hoffe also, ihr seid noch nicht erfroren:)
Meine Schule. Über dem Eingang hängt ein Plakat mit der Aufschrift: " Alles Gute zum Jubiläum, liebe Schule.
In der Schule hatten wir zuerst zwei Stunden Literatur. Bevor es um 8:20 losging, zeigte mir Katja das ganze Schulhaus. Nach und nach kamen dann auch unsere Klassenkameraden, und zu praktisch jedem, der dazukam, sagte Katja: "Hallo! Das ist Rosanna aus der Schweiz. Sie wird ein Jahr mit uns zur Schule gehen". Die Reaktion darauf war eigentlich immer die gleiche: Gaaanz grosse Augen, mich anlächeln, hallo sagen und dann um mich herumstehen. Irgendwann ist dann auch unsere Literaturlehrerin gekommen, und hat mir meinen Platz gezeigt - in der vordersten Reihe! Naja, immerhin ist meine Banknachbarin nett, was auch ziemlich wichtig ist, denn die Sitzordnung ist für alle Fächer gleich, auch wenn man das Zimmer wechselt. Nachdem es geklingelt hat, ertönte ein Lied aus die Lautsprecher. Jetzt mache man Morgengymnastik, erklärte mir Katja auf meinen verwirrten Blick. Dazu standen zwei Schülerinnen nach vorne und zeigten Übungen, wie Hände kreisen, oder Arme schwingen vor. Meiner Meinung nach bringt das überhaupt nichts, denn es ist weder anstrengend, noch sieht es gut aus.
In der Stunde habe ich überhaupt nichts verstanden. Wir haben zusammen einen Text über dekabristische Autoren (glaube ich zumindest) gelesen und ein paar Sachen in unser Heft geschrieben, die ich aber auch nicht verstehe. Das war aber eigentlich gar nicht so schlimm, und ich musste feststellen, dass ich die Schule nach zwei Monaten Pause irgendwie vermisst habe.
Den zwei Stunden Literatur folgten zwei Stunden Mathematik, und ich muss sagen, dieses Fach gefällt mir. Sprachkenntnisse sind dazu nämlich praktisch keine nötig, und ich kann somit dem Unterricht ziemlich problemlos folgen. Dies ist aber auch noch der Tatsache zu verdanken, dass ich den Stoff, den wir jetzt gerade durchnehmen, in der Schweiz schon hatte; ich gehe hier nämlich nochmals in die 10. Klasse.
Den zwei Mathestunden folgten dann noch zwei Stunden Geschichte, in denen ich wiederum nichts verstand, und einfach so gut wie möglich das Diktierte meiner Banknachbarin abschrieb. Eigentlich schade, dass ich in meinem Lieblingsfach absolut nichts verstehe, aber die Lehrerin macht den Unterricht auch nicht wirklich interessant. Sie sitzt einfach an ihrem Pult und diktiert uns ein paar Sachen. Ich weiss nicht einmal, was das Thema dieser zwei Stunden war, und als Katja es mir erklären wollte, habe ich es auch nicht verstanden.
Nach der Schule sind Katja und ich zu ihrer Grossmutter gegangen, die uns mit selbstgemachten Piroschki versorgt hat. Gestern hat mir übrigens Yuri Blumen mitgebracht, die sie ihm für mich mitgegeben hat. Ist das nicht süss?
Danach haben Katja, Elina (ein Mädchen aus der Schule) und ich noch einen Film geschaut. Elina hat mich schon zu sich nach Hause eingeladen, weil ihre Mutter mal wieder mit jemandem Französisch sprechen will. Hier sind sowieso immer gleich alle hellauf begeistert, wenn ich erzähle, dass ich Französisch spreche, und muss dann immer etwas vorsagen. Diese Begeisterung für diese Sprache fehlt in der Schweiz irgendwie ein bisschen:)




Montag, 19. September 2011

Von verpassten Flügen und nicht vorhandenen Gepäckstücken

Am Freitagmorgen, dem 16. August ging mein Abenteuer mit drei Wochen Verspätung endlich los. Um 10 Uhr fuhr ich mit meiner Familie los zum Flughafen. Nachdem wir den Koffer aufgegeben und eine gute Stunde im Starbucks verbracht hatten, hiess es Abschied nehmen. Es gab zwar ein paar Tränen, aber ich hatte mich schnell wieder beruhigt, denn ein anderer Rotary-Austauschschüler, mit dem ich nach Moskau fliegen würde hatte nicht einmal feuchte Augen, da konnte ich nicht zehn Minuten flennend neben ihm herlaufen. Es verlief eigentlich alles gut, bis wir in Moskau zur Schlange für die Passkontrolle kamen. Diese war ziemlich lang, und aus irgendwelchen Gründen brauchte der Beamte bei jeder Person mindestens eine Minute, bis er endlich den Stempel machte. Schlussendlich sind wir über eine Stunde angestanden, und ich hatte noch 20 Minuten bis zum Start meines Anschlussfluges, denn wir waren schon verspätet in Moskau gelandet. Da war mir schon klar, dass ich es kaum noch schaffen werde. Ich habe aber trotzdem auf der Anzeigetafel nach meinem Flug gesucht, ihn aber nicht gefunden. Wie sich später herausstellen sollte, werden immer nur diejenigen Flüge angezeigt, die auch ab dem Terminal fliegen, auf dem die Anzeigetafel steht. Ich ging also zu einem Schalter von Aeroflot, um mir ein neues Ticket zu besorgen. Die Dame hinter dem Tresen konnte sogar etwas Englisch, was die ganze Sache erheblich erleichterte. Nach 10 Minuten hatte ich dann auch mein neues Ticket für ein Flugzeug, das um 23 Uhr anstatt um 20.25 flog. Ich war einfach nur heilfroh, nicht im Flughafen campieren zu müssen.
Der Flug nach Vladivostok dauerte 8:30 und ich hatte einen wunderbaren russischen Sitznachbarn, der zwar kein Englisch verstand, sich aber Zeit nahm, zu warten bis ich endlich einen russischen Satz zusammengebröselt hatte, und, wenn ich nicht verstand, was er sagte (was meistens der Fall war) es mir ganz langsam erklärte. Nach dem Nachtessen wurden im Flugzeug bald einmal die Lichter ausgemacht, damit man schlafen kann. Aber das hat definitiv nicht geklappt. Es könnte sein, dass ich mal für ca. 10 Minuten "weg" war, aber damit hatte es sich dann auch schon. Man hat einfach viel zu wenig Platz, und die Tatsache, dass es nur 2-3 Stunden dunkel war, weil wir gen Osten flogen, half auch nicht unbedingt. Irgendwann habe ich es dann aufgegeben und stattdessen ein bisschen aus dem Fenster geschaut und gelesen.
Um ca. 15 Uhr Ortszeit, sind wir in Vladivostok gelandet. Vom Flugzeug aus wurde man mit einem Bus zum Flughaufengebäude gefahren, wo aber nicht zuerst noch eine Passkontrolle oder etwas in der Art war, wie ich erwartet hatte; es wartete schon meine Gastschwester Katja (die wegen fehlenden Visums noch nicht in Deutschland ist) und meine Gastmutter dort. Sie hat mich umarmt und gleich zur Gepäckentgegennahme geschleppt. Dort haben wir aber vergeblich gewartet. Mein Koffer sei wohl noch in Moskau, hat uns eine Angestellte dort erklärt, er komme aber am nächsten Tag.
Inzwischen war auch mein Gastvater Yuri mit dem Auto am Flughafen, und wir fuhren los, ohne Koffer. Als wir nach drei Stunden Autofahrt endlich angekommen waren, war mir speiübel. An den russischen Fahrstil muss ich mich wohl erst noch gewöhnen:) 
Die Wohnung meiner Familie ist wirklich schön, obwohl es von aussen nicht so vielversprechend aussieht. Ich habe hier übrigens mein eigenes Zimmer. Um das möglich zu machen ist Katja zu ihrer Mutter ins Zimmer gezogen und Yuri zu Mischa, meinem Gastbruder. Ich habe schon fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen...
Zum Abendessen gab es übrigens irgendwelche Tintenfischküchlein mit Reis und drei verschiedene Sorten Salat, darunter einer mit Pilzen und einer mit Tintenfisch:)

Unser Wohnblock. Unsere Wohnung ist die zweitunterste

Mein Zimmer mit Kater Gucci

 Der Sonntag war weniger spektakulär. Meine Gasteltern sind nach dem Frühstück nach Vladivostok gefahren, um meinen Koffer abzuholen. Währenddessen sind Katja und ich in den Supermarkt gegangen, haben Chips und Popcorn gekauft und uns anschliessend zwei Filme angesehen: den dritten Teil von Narnia (ich weiss den Titel weder auf Russisch noch auf Deutsch) und Black Swan. Ich würde sagen den groben Zusammenhang habe ich verstanden, viel mehr aber auch nicht. Irgendwann kamen dann meine Gasteltern mit meinem Koffer wieder nach Hause. Ich war heilfroh, dass es der richtige war, und unendlich dankbar, dass sie den ganzen weiten Weg bis nach Vladivostok nochmals gefahren sind.
Nachdem ich ausgepackt hatte, ging ich in die Küche, um zu fragen ob ich sie fotografieren könne. Daraufhin hat mir Viktoria (meine Gastmutter) gleich eine Stadtrundfahrt angeboten, was ich natürlich gerne annahm.

Es wird Wert darauf gelegt, dass ich das sage: Das ist russischer Gammellook.

Katja mit Gucci und "Garri Potter" im Wohnzimmer

Nachodka von einem Hügel
Katja und ich

Eine sich noch im Bau befindliche Kirche

Meine Gastfamilie spricht übrigens praktisch kein Englisch, nur meine Gastschwester ein bisschen; es hält sich jedoch in Grenzen. Das macht die ganze Kommunikation natürlich etwas komplizierter, aber mit Händen und Füssen und Dictionnaire haben wir es bis jetzt immer geschafft. Vortschritte konnte ich bis jetzt noch nicht wirklich verzeichnen, vielleicht verstehe ich Sätze, in denen mir 3/4 der Wörter unbekannt sind etwas besser. Wie ich das jemals alles verstehen oder sogar selbst sagen soll, ist mir noch etwas schleierhaft.
Zur Schule gehe ich übrigens noch nicht. Es ist noch nicht einmal klar in welche ich gehen werde:)




Dienstag, 13. September 2011

Visum!

Ja, es ist endlich hier: mein Visum! Ich konnte es heute zusammen mit meinem Flugticket in Zürich im Büro von kuoni abholen gehen. Das heisst ich werde am Freitag nach Russland fliegen! Wenn alles nach Plan verläuft, sollte ich um 13.40 nach Moskau abheben, dort in ein Flugzeug nach Vladivostok umsteigen un dort um 11.45 Ortszeit ankommen. Wie ich danach nach Nachodka komme, ist mir aber ehrlich gesagt noch schleierhaft. Ich habe heute aber sage und schreibe drei Mails auf Russisch geschrieben (ja, ich bin stolz auf mich:)), und in allen Mails gefragt, wie ich dorthin komme.
Nervös bin ich komischerweise überhaupt noch nicht, aber das kommt bestimmt noch. Der nächsten Post wird dann verfasst, wenn ich in Russland bin.

Samstag, 27. August 2011

Willkommen


Willkommen auf meinem Blog!

Auf dem Bild oben sieht man Nachodka, die Stadt, in der ich für ein Jahr leben werde. Für russische Verhältnisse sieht das doch nicht schlecht aus!
Wann ich abfliegen werde, weiss ich noch immer nicht, und auch die Einladung der russischen Fremdenpolizei lässt auf sich warten...
Meine erste Gastfamilie wohnt irgendwo in der Nähe des Meeres, wo genau ist mir nicht bekannt, denn in Google maps sind die Strassennamen in Nachodka nicht angegeben. Die Familie besteht übrigens aus den Eltern Yuri und Viktoria und ihren Kindern Michail (13) und Katja (15), wobei sie, während ich in Russland bin, in Deutschland im Austausch sein wird. Meine Gastmutter macht, sofern sich das aus E-mails herauslesen lässt, einen sehr netten Eindruck. Sie haben übrigens zwei Katzen, was mich besonders freut:)
Meine Adresse bis vermutlich Ende November:

Yuri Novikov
Nakhodka, Primorsky Krai
Dzerzhinskogo street 40-44
Russia
692900

oder für die, die's etwas anspruchsvoller mögen:

Юрий Новиков 
г. Находка, Приморский край
улица Дзержинского 40-44
Россия
692900