Sonntag, 11. März 2012

Warum meine Schulwoche 7 Tage zählt


Eine siebentägige Schulwoche ist wohl nur in Russland möglich. Also nicht, dass das immer so wäre, aber hier wie es dazu kommt: 

Am Montag vor zwei Wochen habe ich Schule gewechselt. Es ist nichts Spezielles vorgefallen, ich habe es einfach nicht geschafft, mich in meiner Klasse wirklich anzufreunden. Ich hatte zwar schon Leute, mit denen ich mich unterhalten konnte, jedoch fehlten oft die Themen, und in der Klasse war es generell extrem ruhig. Mein Russisch machte deswegen auch nicht die Fortschritte, die es sollte, weil ich es eben einfach nicht oft genug gebraucht hatte. Hundert Prozent sicher war ich mir also nicht beim Wechsel. Vor allem als mir am letzten Tag viele gesagt haben, wie schade sie es fänden, dass ich gehe, habe ich meine Entscheidung schon fast wieder bereut.
Naja, jetzt habe ich also von Schule Nummer fünf zu Schule Nummer zwölf gewechselt.  (mit originellen Namen hat man es hier nicht so) Meine neue Schule hat einen sehr guten Ruf, ist um einiges moderner, und viel heller als meine alte.
Der Unterricht geht hier am Morgen zehn Minuten später los und die Schule ist näher an meiner Wohnung, das heisst länger schlafen!  Dafür habe ich jeden Tag mindestens bis um zwei Schule, (in der anderen war zwei das Maximum) und es wird am Samstag unterrichtet. In der Schule Nummer fünf hatte mir meine Klassenlehrerin erlaubt, samstags nicht zur Schule zu kommen. Hier habe ich aber gar nicht erst gefragt, sondern bin einfach gegangen. Ich habe ja sonst sowieso nicht zu tun. Das wäre Erklärung Nummer eins für eine siebentätige Schulwoche.
Am letzten Samstag hatte ich zum ersten Mal das Fach Technologia. Es ist eigentlich eine Art Handarbeit, und ich habe zum ersten Mal seit der fünften Klasse wieder gehäkelt! Es macht total Spass, denn wir können dabei Tee trinken und uns unterhalten. Mein neues LieblingsfachJ
Meine neue Klasse ist absolut toll! Im Grunde genommen eigentlich eine ganz normale Klasse, vielleicht mit einem sehr ausgeprägten Klassengeist. Ich fühle mich manchmal schon fast wieder wie in der Schweiz, wenn in den Pausen alle reden, und es fällt mir erst jetzt richtig auf, wie sehr ich das vermisst habe. Ich wurde eigentlich gut aufgenommen. Nur das Interesse war nicht so im Überfluss vorhanden wie an meinem ersten Tag in der Schule Nummer fünf, denn Vinício war im letzten Jahr schon ein paar Monate an dieser Schule, und so hatten alle schon mal einen Austauschschüler gesehen. Das ist mir eigentlich auch gerade recht, ich fühle mich so irgendwie normaler, und ich glaube, man kann auch schneller Freunde gewinnen, wenn man nicht so exotisch ist.

Grund Nummer zwei für eine siebentägige Schulwoche ist  der Internationaler Frauentag am 8 März. In Russland ist das ein riesen Ding. Alle haben frei, und weil der 8. März dieses Jahr genau auf einen Donnerstag fiel, hat man den Freitag noch gerade als Brückentag eingeschoben und am Samstag muss aus irgendwelchen Gründen auch niemand arbeiten oder zur Schule gehen. Leider ist der Freitag aber nicht einfach so frei, sondern musste am Sonntag nachgeholt werden. Das heisst heute war hier ein ganz normaler Arbeitstag, und ich ging zur Schule. Also habe ich vom Sonntag bis zum nächsten Samstag Schule; ergibt sieben Tage. Ein bisschen leid tue ich mir ja schon:)

meine Klassenlehrerin und ein paar Jungs beim Torte schneiden
Der Frauentag an sich ist wirklich toll. Schon am Tag vorher hatten wir in der ersten Lektion Klassenstunde, haben dort Tee getrunken, Kuchen und Salat gegessen und die Jungs haben allen Mädchen Badegel geschenkt. Die Flasche hat eine ganz witzige Form, aber der Duft ist… naja, ich habe schon Besseres gerochen:)
Am Morgen des achten Mais hat mein Gastvater meiner Gastmutter und mir je einen Tulpenstrauss überreicht und uns zum Festtag gratuliert. Zum Mittagessen sich wieder die ganze Verwandtschaft bei meiner Gastgrossmutter versammelt. Es gab unglaublich viel Essen, wirklich unglaublich viel; meine Babuschka (Grossmutter) hatte schon zwei Tage im Voraus mit kochen begonnen!   Dort hat mein Gastgrossonkel (der, der auf dem Schiff arbeitet) allen weiblichen Geschöpfen eine rote Rose geschenkt. Ausserdem bekam ich von Babuschka Rouge und von einer Gastgrosstante Lipgloss.
Fazit: Diesen Tag sollte man in der Schweiz auch mal etwas mehr Beachtung schenken!
bei meiner Gastgrossmutter am noch nicht fertig gedeckten Tisch

beim Essen

mein Gastvater wollte mich ärgern, wegen des mir selbst auferlegten Süssigkeitenverbots

Eigentlich hatte ich ja schon einen ganzen Abschnitt über die Präsidentschaftswahlen geschrieben, nur habe ich es natürlich wieder verschlafen ihn rechtzeitig zu veröffentlichen. Da das jetzt wohl kaum noch interessant wäre nur so viel: Ich war mit meinen Gasteltern abstimmen, und mein Gastbruder hat uns sogar per Screenshot fotografiert, denn es wurden in allen Wahllokalen Kameras aufgestellt, deren Aufnahmen man sich im Internet anschauen konnte. Vielleicht kann ich das Foto irgendwie noch auftreiben… 

Übrigens habe ich letze Woche zum ersten Mal Post bekommen – ein Paket. Und als ich heute nach Hause kam lag gleich nochmal eines auf meinem Bett. Es ist also doch möglich etwas in den Primorsky Krai zu schicken! An dieser Stelle  ein riesen Dankeschön an Hilde und Henry!