Heute
war in ganz Russland, wie jedes Jahr am 5. Oktober, Lehrertag. Dabei gratuliert
man den Lehrern zum Lehrertag und schenkt ihnen Blumen und Konfekt. Zusätzlich
müssen die Lehrer nicht unterrichten; das wird von den Schülern der ältesten
Klassen übernommen.
Katja
und ich gingen am Morgen wie immer um 7:40 aus dem Haus, obwohl der Unterricht
erst um neun anfangen würde. Draussen hat es übrigens jeden Morgen um die zehn
Grad, also noch ziemlich angenehm. In der Schule waren überall Plakate mit der
Aufschrift "Alles Gute zum Lehrertag" aufgehängt und es tönte Musik
durch die Lautsprecher. Wir trafen uns mit Elina, Katjas bester Freundin, und
gingen zu den Lehrern, um ihnen Konfekt zu schenken. Ich hatte für meine Englischlehrerin
und meine Mathe-/Klassenlehrerin etwas dabei. Das sind die einzigen beiden
Lehrer, die schon etwas anderes gesagt haben als "Warum schreibst du nicht
mit?" oder "Hänge deine Tasche auf den Stuhl!". Ich glaube, sie
haben sich gefreut.
Um
neun Uhr hat dann wie gesagt der Unterricht begonnen. Da die zweite elfte
Klasse in Quarantäne ist, weil einer daraus irgendeinen Virus hat, wurde unsere
Klasse auch als Lehrer eingesetzt. Ich sollte mit Elina zusammen die Klassen
einer Englischlehrerin übernehmen. Vom
zu vermittelnden Stoff hatte ich keine Ahnung. Elina hatte mich am Tag zuvor
nur mit der Anweisung nach Hause geschickt, auf ein A4 Blatt alle Zahlen von
eins bis zwanzig aufzuschreiben.
Die
erste Stunde war eine Katastrophe. Wir mussten eine neunte Klasse unterrichten,
also eine Klasse ein Jahr unter uns. Während der Stunde wurden Games gespielt,
geredet und Musik gehört. Die Stunde würde ich auch nicht wirklich mit
Englischstunde betiteln, sondern eher als Versuch, eine Klasse zum Schweigen zu
bringen mit gelegentlich ein paar Fetzen Englisch dazwischen.
Die
beiden nächsten Stunden waren dann etwas besser. Es waren zwei vierte Klassen,
die mehr Elan dabei waren. Es wurde zwar ebenso wenig Englisch gesprochen, aber
ich konnte immerhin ein paar Schülern eine Aufgabe erklären, und das auf
Russisch. Ich bin stolz auf michJ Wegen
fehlendem Vatersnamen haben sie festgestellt, dass ich aus der Schweiz komme,
und waren ganz entzückt. Ich wurde dann auch immer wieder aufgefordert einen
Satz auf Schweizerdeutsch zu sagen. Ein Schüler wollte sogar meine Nummer!
In
der letzten Stunde hatten wir dann nochmals eine neunte Klasse, die jedoch
nicht ganz so schlimm war wie die erste. Sie interessierten sich aber auch eher
dafür, dass ich aus der Schweiz kam als für Englisch. Danach hat uns unsere
Klassenlehrerin zu unseren tollen Leistungen gratuliert, und verteilte Konfekt,
das irgendwie nach Fisch schmeckte.
Fazit:
Ich bin mir sicher, dass dieser Tag von einem Lehrer erfunden wurde, so
einseitig sind die Vorteile verteilt. Ich werde sicher nie Lehrerin. Ich bin heilfroh, dass es das in der Schweiz
nicht gibt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen