Mittwoch, 5. Oktober 2011

Lehrertag

Heute war in ganz Russland, wie jedes Jahr am 5. Oktober, Lehrertag. Dabei gratuliert man den Lehrern zum Lehrertag und schenkt ihnen Blumen und Konfekt. Zusätzlich müssen die Lehrer nicht unterrichten; das wird von den Schülern der ältesten Klassen übernommen. 
Katja und ich gingen am Morgen wie immer um 7:40 aus dem Haus, obwohl der Unterricht erst um neun anfangen würde. Draussen hat es übrigens jeden Morgen um die zehn Grad, also noch ziemlich angenehm. In der Schule waren überall Plakate mit der Aufschrift "Alles Gute zum Lehrertag" aufgehängt und es tönte Musik durch die Lautsprecher. Wir trafen uns mit Elina, Katjas bester Freundin, und gingen zu den Lehrern, um ihnen Konfekt zu schenken. Ich hatte für meine Englischlehrerin und meine Mathe-/Klassenlehrerin etwas dabei. Das sind die einzigen beiden Lehrer, die schon etwas anderes gesagt haben als "Warum schreibst du nicht mit?" oder "Hänge deine Tasche auf den Stuhl!". Ich glaube, sie haben sich gefreut.
Um neun Uhr hat dann wie gesagt der Unterricht begonnen. Da die zweite elfte Klasse in Quarantäne ist, weil einer daraus irgendeinen Virus hat, wurde unsere Klasse auch als Lehrer eingesetzt. Ich sollte mit Elina zusammen die Klassen einer Englischlehrerin  übernehmen. Vom zu vermittelnden Stoff hatte ich keine Ahnung. Elina hatte mich am Tag zuvor nur mit der Anweisung nach Hause geschickt, auf ein A4 Blatt alle Zahlen von eins bis zwanzig aufzuschreiben.
Die erste Stunde war eine Katastrophe. Wir mussten eine neunte Klasse unterrichten, also eine Klasse ein Jahr unter uns. Während der Stunde wurden Games gespielt, geredet und Musik gehört. Die Stunde würde ich auch nicht wirklich mit Englischstunde betiteln, sondern eher als Versuch, eine Klasse zum Schweigen zu bringen mit gelegentlich ein paar Fetzen Englisch dazwischen.
Die beiden nächsten Stunden waren dann etwas besser. Es waren zwei vierte Klassen, die mehr Elan dabei waren. Es wurde zwar ebenso wenig Englisch gesprochen, aber ich konnte immerhin ein paar Schülern eine Aufgabe erklären, und das auf Russisch. Ich bin stolz auf michJ Wegen fehlendem Vatersnamen haben sie festgestellt, dass ich aus der Schweiz komme, und waren ganz entzückt. Ich wurde dann auch immer wieder aufgefordert einen Satz auf Schweizerdeutsch zu sagen. Ein Schüler wollte sogar meine Nummer!
Eine 4. Klasse. Habe ich schon erwähnt, dass wir an der Schule einen Dresscode haben? Schwarter Jupe oder schwarze Hosen und oben entweder weiss, schwarz oder blau, und ja nicht sportlich. Da heute ein Festtag war, war sie aber etwas gelockert.
In der letzten Stunde hatten wir dann nochmals eine neunte Klasse, die jedoch nicht ganz so schlimm war wie die erste. Sie interessierten sich aber auch eher dafür, dass ich aus der Schweiz kam als für Englisch. Danach hat uns unsere Klassenlehrerin zu unseren tollen Leistungen gratuliert, und verteilte Konfekt, das irgendwie nach Fisch schmeckte.
Fazit: Ich bin mir sicher, dass dieser Tag von einem Lehrer erfunden wurde, so einseitig sind die Vorteile verteilt. Ich werde sicher nie Lehrerin.  Ich bin heilfroh, dass es das in der Schweiz nicht gibt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen