Montag, 3. Oktober 2011

Orientation


Ich habe eines der besten Wochenende meine Lebens hinter mir! Es war eine Orientation von Rotary für alle Austauschschüler, die im östlichen Teil Russlands wohnen.

Am Freitagmorgen kam ein Anruf von Rotary, ich hätte in vierzig Minuten in ihrem Büro zu sein. Ich dachte eigentlich, ich würde zur Schule gehen, aber das war natürlich viel besser. Im Rotary Büro traf ich die Chairperson von Rotary Russland und Vinício, einem Austauschschüler aus Brasilien, und fuhr mit ihnen in ein Kinderferienlager in der Nähe von Partisansk, wo wir die nächsten drei Tage verbringen sollten. Wir kamen am Morgen an, und haben alles vorbereitet. Am späten Nachmittag kamen dann die anderen Austauschschüler mit einem Bus dazu. Zwei davon kamen direkt aus den USA und hatten seit fast 24 Stunden nicht geschlafen. Wir waren insgesamt 15 Austauschschüler aus Taiwan, Thailand, Indonesien, Kanada, Brasilien, Kolumbien, Frankreich und den USA. Nachdem alle ihre Taschen ausgepackt hatten, gab es eine kurze Einführung und danach Abendessen in einem viel zu grossen Saal, denn wie gesagt, die Anlage ist für Kinderlager von zehnfacher Grösse gemacht. Wir hatten einander extrem viel zu erzählen, und es tat auch einfach gut, mal wieder richtig kommunizieren zu können, und nicht bei jedem Wort überlegen zu müssen, in welchen Fall man es jetzt setzen soll. 
Wald bei Partisansk. In Nachodka ist er noch grün.
Am Abend musste dann noch jeder sein Land vorstellen. Es gab ganz verschiedene Beiträge. Die Austauschschüler aus Taiwan und Thailand hatten einen Film über ihr Land dabei (die aus Taiwan bekommen das und anderes Werbematerial alles gratis von der Regierung!). Die zwei Leute aus den USA haben eine Art Theater gemacht, das echt witzig war, denn der Junge ist ein wirklich guter Schauspieler. Einige haben am Schluss ihrer Präsentation sogar noch die Nationalhymne ihres Landes vorgesungen. Darauf habe ich jedoch verzichtet.

Am zweiten Tag kam eine Psychologin und machte mit uns ein paar Spiele, wie Stofftiere in einer gewissen Reihenfolge  herumzuwerfen, und dabei aufzupassen, dass ja keines runterfällt. Die Spiele führten darauf hinaus, dass wir, wenn etwas nicht so läuft wie wir es wollen, nicht die anderen ändern sollen, sondern uns selbst, dann würden sich die anderen von alleine ändern, oder so.
Danach gab es noch ein paar Vorträge über Rotary, die 4-D-Regeln (no drinking, no driving, no drugs, no dating während des Austauschs) wurden nochmals repetiert, und wir redeten über Kulturschock. Unter anderem haben wir gelernt, dass wir uns jetzt gerade in einem Stimmungshoch befinden, es aber kontinuierlich nach unten geht, bis wir nach drei, vier Monaten am Tiefpunkt sind. Dann geht es wieder nach oben und ca. einen Monaten vor unserer Abreise kommt ist die beste Zeit. Die geht dann aber auch wieder vorbei, weil es wieder nach Hause geht. Jetzt weiss ich ja, was mich erwartet.
Am Nachmittag gingen wir nach Partisansk an ein Konzert von einem Chor von Jugendlichen, die in Russischen Trachten traditionelle russische Lieder sangen, und das alles nur für uns Austauschschüler! Es hat echt gut geklungen. Hier ein Video zum Beweis:
Am Abend gab es eine Talentshow. Es wurde Yoga vorgezeigt, gesungen, eine (indonesische?) Kampfsportart vorgezeigt,  jongliert und Samba getanzt. Ich habe übrigens auch mit den Brasilianern Samba getanzt, nachdem es mir vorher fünf Minuten lange vorgezeigt wurde. Dass es absolut peinlich war, schreibe ich jetzt nicht. Danach gab es noch eine Disco, und ja, Südamerikaner tanzen definitiv besser als Europäer. Es war echt witzig, obwohl wir so wenig Leute waren. 

Auf der Exkursion in Partisansk. Es fehlen jedoch noch ein paar Austauschschüler.
Am Sonntag gab es nochmals ein paar Infos, wie welche Fragen wir mit unseren Gastfamilien klären sollten (wer wäscht die Wäsche, dürfen wir die die Zahnpasta benutzten usw.). Nach dem Mittagessen stiegen wir in den Bus, und fuhren nach Nachodka. Auf dem Weg dorthin habe ich den Südamerikanern noch ein wenig Schweizerdeutsch beigebracht; vor allem Fluchwörter (dabei sollte noch erwähnt werden, dass es war nicht meine Idee war). Ihr solltet echt auch mal hören, wenn sich Südamerikaner gegenseitig auf Schweizerdeutsch beschimpfen;) 
In Nachodka haben wir auf einem Hügel ein Denkmal angeschaut und nochmals ein paar Fotos gemacht. Danach wurden Vinício und ich in die Nähe unserer Wohnungen gefahren, und es hiess Abschied nehmen. Einige werde ich im Oktober wiedersehen, einige im März, und einen Kolumbianer wohl gar nicht mehr, denn er wohnt extrem weit weg von mir und reist, wie alle Südamerikaner, schon wieder im Januar ab, was echt schade ist, denn mit ihnen habe ich mich am besten verstanden. Es ist ein ziemlich komisches Gefühl, jemandem für immer Tschüss zu sagen...

Das Wochenende war einfach nur wunderbar. Der Kanadier gemeint, er habe mich noch fast nie NICHT lächeln gesehen. Das hat mir bis jetzt echt noch niemand gesagt! Sonst kenne ich eher Kommentare wie: „Lächle mal, du siehst immer so ernst aus.“ (Ich hoffe Lolo liest da:))) Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon, alle wiederzusehen!

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