Vorweg: Diesen Eintrag habe ich schon vor über einer Woche,
also am letzten Samstag verfasst, hatte bisher aber keinen Internetzugang auf
meinem Laptop. Bei Zeitangaben also immer eine Woche zurückrechnen:))
Gestern hatten wir eine von Rotary organisierte Halloweenfeier.
Ich hatte schon seit drei Wochen erfolglos nach einem Kostüm Ausschau gehalten,
und das hat sich auch bis Donnerstag, also dem Tag vor Halloween nicht
geändert. Ich habe dann meiner Banknachbarin Vika von meinem Leid erzählt, und
dass ich wohl einer Schneiderin anrufe, damit sie mir ein Kostüm macht. Ich
wollte nämlich als Banshee (eine Art Geist) gehen, und dafür brauchte ich
einfach nur ein einfaches, weisses Kleid. Vika meinte dann, dass sie mir helfen
würde - wenn ich denn auch wolle - denn ihre Mutter sei selbst Schneiderin, und
sie habe ihr schon oft zugeschaut. Natürlich wollte ich! Und so sind wir nach
der Schule zu ihrer Mutter ins Geschäft gegangen, und habe weissen Stoff für
mein Kleid gekauft. Bei Vika zu Hause haben wir dann angefangen zu schneiden
und zu nähen. Also eigentlich hat ja Vika das meiste gemacht, ich habe ihr
einfach geholfen. Da wir nicht fertig wurden, haben auf den nächsten Tag wieder
abgemacht. Wir haben mit etwa vier Stunden gerechnet, die wir noch benötigen,
um alles fertigzustellen. Mein Counsellor hat mich dann aber angerufen, dass
wir schon zwei Stunden früher dort sein sollten, weil der Raum noch geschmückt
werden musste. Wir hatten also nur zwei Stunden Zeit, Vika hatte am Tag zuvor
nicht wie gedacht noch Zeit, daran weiter zu nähen und zu allem Übel
funktionierte die Nähmaschine nicht. Also habe wir alles von Hand genäht und ich
musste Vika von vielen Perfektionen abhalten. Schlussendlich haben wir es aber
geschafft, und ich bin nur zehn Minuten zu spät gekommen! Das ist hier sowieso
nicht so schlimm wie in der Schweiz. Fünf bis zehn Minuten nimmt einem hier
(fast) niemand übel.
Die Halloweenparty an sich war super! Die Teilnehmer waren
alle um die 16 Jahre alt und gehen in ihrer Freizeit in eine Englischschule.
Das beste war, dass alle acht Austauschschüler aus Wladiwostok kamen. Vinício,
Dasha (der Volunteer von Rotary) und ich haben das ganze moderiert (auf
Englisch versteht sich). Meine Gastschwester, eine Mitschülerin von mir und
Stas haben an der Bar gearbeitet, wobei es dort nur Cola und Pizza gab. Wir
haben verschiedene Spiele gemacht und es gab einen Kostümwettbewerb. Ratet mal,
wer gewonnen hat…? Ja, ich! Es hat sich also gelohnt, so lange daran zu
arbeiten!
Unter den Austauschschülern aus Wladiwostok war auch ein
Deutscher. Er war nicht auf der Orientation, weil er ohne Visum nach Russland
kam und deswegen nochmals zurück musste. Aber das ist eine andere Geschichte.
Deutsch zu sprechen hat sich am Anfang echt komisch angefühlt, und in den
ersten zwei Minuten hatte ich ziemlich Mühe, mich auszudrücken. Man gewöhnt
sich einfach sehr an Russisch und Englisch.
| v.r.n.l: Dasha, Katja, Vinicio, Elina, ich und Stas |
Am Tag darauf gab es nochmals eine Halloweenparty, dieses
Mal einfach für die kleineren Kinder. Wir haben nicht mehr auf Englisch, sondern
Russisch moderiert, was eigentlich heisst, dass ich mich nur kurz vorgestellt
habe, und nachher die Kinder bei den Spielen etwas angefeuert. Den Rest hat
Dasha gemacht. Es kamen auch am Samstag ein paar der Austauschschüler aus
Wladiwostok, dieses Mal einfach um zu helfen. Die anderen hatten ein Programm
mit den Familien, in denen sie für die vier Tage in Nachodka lebten. Es waren
alle in extrem reichen Familien untergebracht, zwei sogar bei Nachfahren von
Peter dem Grossen! Ihr Nachname ist Romanov, sie haben ein riesen Haus mit
Banja und Swimmingpool, ihr 13-jähriger Sohn hat schon ein Auto und sie sind
sogar im Besitz eines Flugzeuges! Es gibt sie also doch, die reichen Russen.
Nach der Party hat meine Counsellorin Vinício und mich zur
Seite genommen und meinte: „Na, soll ich euch ein Geheimnis verraten? Ihr fahrt
morgen mit den anderen für fünf Tage nach Wladiwostok.“ Ich habe mich einfach
nur unglaublich gefreut; mein erstes Mal in einer grossen Stadt in Russland!
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