Wie bereits angekündigt, ging ich am Freitag für drei Tage
in eine Art Lager. Dabei waren 26 Kinder zwischen 8 und 16, Vinício, ein Freund
von ihm, meine Koordinatorin (Rotary) und zwei weitere Leiterinnen. Um dorthin
zu kommen verbrachten wir drei Stunden in einem Auto aus dem 2. Weltkrieg
(vielleicht war es aber auch nur ein Witz und ich habe es nicht bemerkt…).
Natürlich blieben uns die „tollen“ Russischen Strassen auch dieses Mal nicht
erspart. Unser Haus befand sich auf einer Art grossen Waldlichtung. Es gab noch
ein paar andere Häuser in der Gegend, von Leuten die das ganze Jahr über dort
wohnen. Warum man sich das antut ist mir jedoch ein Rätsel. Es gibt dort weder
einen Laden noch Internet- oder Mobilnetzanschluss, und zumindest bei unserem
Haus auch kein fliessend Wasser. Auf „unserem“ Grundstück war , wie schon
erwähnt ein Haus, das aus 4 Räumen bestand, zwei Plumpsklos, eine Feuerstelle
und eine Banja. Da wir erst um fünf Uhr abends angekommen sind, haben wir nicht
am ersten Tag vor allem mit einrichten, herumsitzen und Wasserschleppen
verbracht. Nicht dass ich jemals einen Eimer getragen hätte, das wurde von den
Jungs nicht zugelassen. Die Nacht war schrecklich. Da wir auf einem Kochherd,
wie es ihn vor hundert Jahren schon gab kochten (also auf Feuer), war es im
ganzen Haus extrem warm, denn Türen zwischen den Räumen gab es nicht. Ausserdem
war die Matratze extrem unbequem und ja… irgendwann habe ich dann auch
geschlafen.
Am Samstag gingen wir gleich nach dem Frühstück in den Wald
spazieren. Der Wald hier ist echt toll! Eigentlich wie in der Schweiz, nur hat
es viel mehr Birken, und auch sonst gefällt er mir hier irgendwie besser. Es
hat ausserdem unglaublich viele riesige Ameisenhaufen. Die Kinder haben dann
jedes Mal, wenn wir an einem vorbeikamen, ein Zweiglein hineingesteckt und es
nachher abgeleckt, da es anscheinen süss war. Ich wurde auch ganz fleissig mit
irgendwelchen Kernen versorgt, die sie aus einer Art Tannzapfen herausgenommen
hatten. Ausserdem sollte ich mir ganz viele Namen von Bäumen und Gräsern
merken. Erinnern kann ich mich aber nur an das Wort für Ahorn…
| Keine Angst, das ist nicht der Fluss, in dem wir Wasser geholt haben:) |
Am Abend stand Banja auf dem Programm. Das erste Mal in
Russland und das zweite Mal in meinem Leben. Zuerst mussten wir sie aber noch
heizen (mit Holz versteh sich) und nochmals viiiel Wasser holen. Aber es hat
sich definitiv gelohnt!
Am Sonntag ging es dann mit der Elektritschka nach Hause.
Sie erinnert ein bisschen an unsere Züge vor fünfzig Jahren, vielleicht einfach
etwas weniger Laut. Um zum Bahnhof zu kommen mussten wir einen ziemlich langen
Weg zurücklegen, und die Hälfte davon gingen wir AUF den Gleisen. Man gewöhnt
sich daran, und gegen Ende hatte ich nicht einmal mehr Angst, gleich von einem
Zug überfahren zu werden:)
