Dienstag, 3. Juli 2012

Zurück

Mein Gastvater und ich
Austauschschüler; mit dem Franzosen im blauen Blazer bin ich bis nach Moskau geflogen
Seit gut einer Woche bin ich zurück in der Schweiz. Auch wenn ich mich bis zuletzt nicht gross gefreut habe, zurückzukommen, bin ich jetzt doch froh, wieder zu Hause zu sein. Gute Strassen, ein Garten vor der Haustür, freundliche Verkäufer...  :)
Das wär's dann mit meinem Blog; danke für's Lesen!



Sonntag, 17. Juni 2012

Was Russen in den Ferien machen


Noch genau eine Woche habe ich übrig bis zum Ende meines „Abenteuers Russland“. Ich habe schon seit drei Wochen Sommerferien, die einfach nur wie im Flug vergangen sind.
 An meinem letzten Schulmorgen war ich in meiner ersten Schule, um mich von allen zu verabschieden, und am Nachmittag bin ich dann in die zweite gegangen. Unterricht gab es keinen mehr, nur die Zeremonie des „Letzten Klingelns“, bei der die Abschlussklassen verabschiedet werden. 
Vorbereiten der Zeremonie

Abschlussklasse. Die Mädchen kleiden sich wie am allerersten Schultag und Jungs im Anzug

In den Ferien habe ich die meiste Zeit damit verbracht, durch Läden zu rennen, um passende Souvenirs zu finden. Das Resultat ist aber relativ ernüchternd, denn Nachodka ist nicht wirklich ein Touristenparadies --> Souvenirmangel. Dafür habe ich eine ganze Reihe interessanter Läden entdeckt, die ganz versteckt sind. Irgendwie ist deren Marketingkonzept noch wirklich ausgereift, denn oft kann man erst auf den zweiten Blick erkennen, dass es sich überhaupt um einen Laden handelt. Dafür ist es drinnen umso interessanter, denn Ketten existieren praktisch nicht, was das Angebot um einiges abwechslungsreicher macht. Und natürlich habe ich mich mit Freunden getroffen, die ich teilweise schon monatelang nicht mehr gesehen hatte.

Am 8. Juni ging’s für mich dann in ein Englischlager. Sommerlager gehören richtig zur Kultur Russlands. Es gibt kaum Familien, die Kinder nicht in Lager schicken, denn was soll man sonst mit ihnen während der dreimonatigen Sommerferien anstellen?  Meist dauert ein solches Lager einen ganzen Monat; meines jedoch nur zwei Wochen. Um in ein Lager zu gehen braucht man eine Bestätigung  vom Arzt, dass man gesund ist. Also kam auch ich so noch zu meinem russischen Krankenhauserlebnis. Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, dass ich nicht wirklich krank war. Erst mal musste ich ewig lange in einem schmalen Korridor warten, und dann machte die Ärztin auch noch einen riesen Stress. Kein Wunder, denn für die Kontrolle musste ich umgerechnet gerade mal sechs Franken bezahlen, und zwar direkt der Ärztin. Der durchschnittliche Lohn eines normalen Arztes beträgt in Russland übrigens gerade mal 550 Franken im Monat. Wie man davon leben kann ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Naja egal, meine Erlaubnis habe ich bekommen.
Als ich mich von meiner Gastmutter fürs Lager verabschiedet hatte wurde ich schon beinahe sentimental; irgendwie setzte mir der Gedanke, dass ich nur noch drei Wochen übrig hatte etwas zu. Das Lager ist bis jetzt echt der Hammer. Jeder Tag fängt mit Morgenturnen um acht Uhr an, worauf knapp fünf Stunden Englischunterricht folgen. Es sind noch zwei andere Austauschschüler aus Irkutsk im Lager, und wir leiten meist irgendeine Lektion, denn wie schon gesagt, der Englischlevel der Russen ist relativ niedrig.
Morgenturnen
Die Kinder im Lager sind einfach nur super, ich verstehe mich mit allen extrem gut. Von den Kleinen werden die Brasilianerin und ich jeden Tag umarmt und wir gehen ganz oft händchenhaltend mit ihnen rum. Kurzum: Ein würdiger Abschluss.
Brasilianerin, Leiterin, ich und Zimmergenossin



Freitag, 25. Mai 2012

Kamtschatka


Mein Kamtschatka-Abenteuer begann damit, dass wir fast unseren Flug verpasst hätten, weil meine Gastgrossmutter, die uns hinbrachte, noch nie an den Flughafen gefahren war, seit die neuen Strassen gebaut wurden. Nachdem wir x-Mal falsch gefahren sind, und ich schon gar nicht mehr ruhig sitzen konnte, sind wir dann auch endlich angekommen. Jedoch stellten wir, als wir in der Schlange für das Check-in warteten, fest, dass ich eine andere Flugnummer hatte, als meine Mitreisenden, Ellen und Rich. Tja, es hat sich herausgestellt, dass es zwei Flüge mit nur einer halben Stunde Zeitunterschied auf die Kamtschatka fliegen; ich den mit S7 gebucht habe, und Ellen und Rich den mit Aeroflot. Also habe ich die dreieinhalb Stunden Flugzeit eben alleine verbracht und mich mit dem Gedanken getröstet, dass ich wenigstens eine neue Fluggesellschaft kennenlerne.
Für diejenigen, die- wie ich vor eineinhalb Jahren- nicht einmal wussten, dass auf der Kamtschatka Leute leben, ein kleiner Einschub mit Fakten: Auf der gesamten Halbinsel Kamtschatka leben 380 000 Leute, davon 230 000 in Petropawlowsk-Kamtschatski, der Hauptstadt. Es gibt drei Ureinwohner Stämme, die aber gerade mal drei Prozent der Bevölkerung ausmachen; ein Teil lebt aber noch immer im Norden wie vor hunderten vor Jahren- freiwillig, versteht sich. Wofür die Kamtschatka aber vor allem bekannt ist, sind ihre Vulkane, wovon es über 160 hat und 30 noch immer aktiv sind, und natürlich Bären. Dazu muss ich noch sagen, dass ich weder Bären gesehen habe - was aber auch nicht zu erwarten war, denn wer im Frühling Bären sieht, kann davon meist niemandem mehr erzählen – noch auf einem Vulkan war, da noch zu viel Schnee lag. Hier konnte man nämlich noch bis zum ersten Mai in den Skigebieten rund um Petropawlowsk Ski fahren, und Gras findet man noch praktisch keines.  

Petropawlowsk mit Vulkan im Hintergrund


Am Flughafen von Petropawlowsk-Kamtschatski (wir erinnern uns, die Hauptstadt der Kamtschatka) erwarteten mich schon Ellen, Rich, Camilo (der Kolumbische Austauschschüler, der dort lebt) und Mascha, ein Rotary Mitglied, mit der wir die kommenden neun Tage verbringen sollten. Wir wurden an dem Tag gleich zu unseren Gastfamilien gebracht. Ich wohnte bei Olja und deren vierzehnjährigen Tochter Jana. Ein echt cooles Mutter-Tochter-Team, die immer etwas zu tun haben. Wenn Olja nicht arbeitet, geht sie ins Theater, Kino, kocht etwas spezielles oder lädt irgendwen ein. Und ausserdem hatten wir noch vier Schildkröten und eine Krabbe zu Hause. Ich glaube, das ist der erste Russische Haushalt, in dem keine haarigen Tiere lebten, was auch mal eine ganz nette Abwechslung war.
Die Tage auf der Kamtschatka waren pumpenvoll mit Programm. Wir haben an drei verschiedenen Orten in heissen Quellen gebadet, waren bei Schlittenhunden, in zwei Museen über die Kamtschatka, im Theater, im Kino und waren in sechs verschiedenen Schulen und Universitäten, in denen wir praktisch interviewt wurden. Naja, das hätte ich nicht unbedingt gebraucht, denn die Fragen wiederholten sich immer: Wie gefällt euch Russland? Mögt ihr das Essen? Habt ihr schon Wodka probiert?... Wir hatten sogar einen Auftritt in der Morgenshow des Lokalfernsehens. War eigentlich ganz ok, nur habe ich es noch immer nicht geschafft, mir die Aufnahme ganz anzusehen, weil ich es einfach nicht ausstehen kann, wenn ich meinen eigenen Akzent höre. Zwar sagen mir Leute, ich hättre praktisch keinen mehr, aber ich ich kann ihn trotzdem noch hören, was mich einfach unglaublich nervt.
Alles aufzählen, was wir gemacht haben, kann ich nicht, deshalb beschränke ich mich auf meine zwei Lieblingserlebnisse:
     1.    Rotary Meeting. Nicht, dass es sooo super interessant gewesen wäre, aber es hat mir bewiesen, dass es sogar in Russland Rotary Meetings gibt, die nicht nur daraus bestehen, vierzig Minuten auf ein Mitglied zu warten,  zwei Minuten von seiner Zeit in Russland zu erzählen und dann auch schon wieder entlassen werden, wie es in Nachodka meistens ist. Der Rotaryclub hatte ein kleines Konzert in einem Restaurant organisiert, auf dem ein Rotarier, der Musiker ist sang. Zwischendurch haben sogar wir Austauschschüler was gesungen. Zuerst ich a capella Stehts it Truure (mir wurde das zugetraut, weil ich intelligenterweise gesagt habe, dass ich in einem Chor singe), dann mit Ellen und Playback Yellow Submarin, darauf gab der Taiwanese seine Hymne zum besten und zum Schluss haben Camilo und ich noch ein Lied auf Spanisch gesungen, das ich eine halbe Stunde zuvor zum ersten Mal gehört habe. Das war dann auch das Lieblingslied von allen und wir haben viele Komplimente dafür bekommen.
2.       Wir sahen Seelöwen in freier Natur! Also ehrlich gesagt bin ich mir noch immer nicht sicher, ob es wirklich so heisst übersetzt, aber ich kann es im Wörterbuch nicht finden. Naja, Foto ist etwas weiter unten. Auf jeden Fall hätte ich nie gedacht, dass ich diese Tiere in meinem Leben mal sonst noch irgendwo ausser im Fernsehen sehe.
hinten: Masha 2 Ureinwohner, Rich, Ellen und ich; vorne:Camilo, Mashas Sohn und ein anderer Rotarier
Ellen und ich in heissen Quellen

Seekühe ?

Rich und ich in traditioneller Kleidung

Wie schon gesagt, war während der ganzen neun Tagen immer Masha mit uns und hat somit praktisch alle Zeit ihrer Ferien geopfert. Würde ich ja nie tun (:)), aber ich bin ihr einfach nur unglaublich dankbar dafür, dass sie es getan hat, denn wir haben uns super verstanden!


Nach den neun Tagen, also am Samstag vor einer Woche, ging’s dann wieder zurück nach Wladiwostok, wiederum mit verschiedenen Flügen, versteht sich. Zum Abschied schenkte mir meine Kamtschatskische (?) Gastfamilie einen riesen Bilderband mit Fotos der Kamtschatka. Wie ich sie doch liebeJ
In Wladiwostok sah ich zum ersten Mal seit drei Wochen meine Gastfamilie wieder. Und Grün! Ja, auch in Wladiwostok ist es in der Zeit, in der ich weg war endlich grün geworden, und während der ganzen zweistündigen Heimfahrt fühlte ich mich einfach nur so gut, weil ich endlich zum ersten Mal seit sechs Monaten mal wieder etwas grün sah, was der Landschaft schon sehr gut tut.
Erst als wir in Nachodka ankamen, merkte ich wie sehr ich alles vermisst hatte, und es fühlte sich einfach nur gut an, wieder zu Hause zu sein, mit meiner Gastfamilie zu reden, auf meinem gewohnten Platz Abendbrot zu essen, wenn dabei im Hintergrund Pervy Kanal im Fernsehen eingestellt ist. Und da wurde mir zum ersten Mal klar, dass mir gerade mal noch ein Monat bleibt, bis ich mein neues Zuhause schon wieder verlassen muss...

Sonntag, 20. Mai 2012

Wie schnell sich Pläne ändern


Vorweg: Diesen Post habe ich schon vor zehn Tagen verfasst, hatte nur nie Internetanschluss, um ihn zu veröffentlichen.Also immer schön zurückrechnen :)

Die Zeit in Wladiwostok war einfach klasse. Die ersten paar Tage haben wir alle - das heisst meine Gasteltern auf zehn Tage, deren beide Töchter Julia und Alina (14+15) und Mai, die Austauschschülerin aus Thailand, die bei ihnen wohnt - bei der Grossmutter etwas ausserhalb der Stadt verbracht. Sie lebt in einer Art Villenviertel,  und selbst lebt sie auch in einem riesigen Haus. Insgesamt acht Schlafzimmer, drei Badezimmer und eine riesen Küche und Wohnzimmer. Meine neue Gastgrossmutter hat mich absolut an das Klischee einer reichen Dame erinnert; also im guten Sinne. Sie drückt sich sehr gewählt aus, hat einen guten Kleiderstil und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Vom Haus aus brauchte man nur fünf Minuten um ans Meer zu gelangen, so waren wir ein paar Mal dort, oder haben uns einfach mit den anderen sechs Austauschschülern im Zentrum getroffen.  Die Tage in der Villa, oder wie man das auf Deutsch auch immer nennen will, habe ich riesig genossen, denn es gab Platz zum verschwenden, was sonst jeweils in Russland nicht so der Fall ist. Naja, diese Freude währte nicht allzu lange, denn nach drei Tagen ging es in die Wohnung der Familie ins Zentrum der Stadt. Wenn ich vorher mein eigenes Zimmer hatte, so musste ich es nun mit meiner Gastschwester Julia teilen, und Mai schlief mit der anderen Tochter, Alina, in einem Zimmer. Nicht dass es extrem schlimm war oder so, nur wollte Julia bis tief in die Nacht hinein reden, und ich brauchte meinen Schönheitsschlaf:)
am Strand mit den Austauschülern und ganz links Alina
Unter der Woche ging ich wiederum in die Privatschule, in der ich im Herbst schon war, und in die alle Austauschschüler gehen. Mai und ich wurden jeden Morgen  hingefahren, obwohl es mit dem Bus nur etwa fünf Minuten länger wäre, aber mir soll’s recht sein. Da die Direktorin der Schule an einer Rotarykonferenz in Thailand war und das Ende des Schuljahrs naht, ging es mit der Disziplin ziemlich den Bach runter. Es kamen dauernd Schüler und Lehrer zu spät, und wir, die Austauschschüler sind meist nicht zu allen Stunden gegangen. Dafür haben wir an Nachmittagen Thailändisches Essen gekocht, sind in ein Koreanisches Restaurant gegangen, ans Meer gefahren, Schaschlik gebraten,  haben einen Bunker besichtigt und so weiter. Kurz, mir wurde nie langweilig. 


Gestern, am neunten Mai, war ein sehr spezieller Tag in Russland, der Tag des Sieges. Es wird der Sieg der Alliierten über die Nazis gefeiert. In Russland ist es deshalb erst am neunten Mai, weil sie den Vertrag einen Tag später als der Rest unterzeichnet haben. 
 In allen grösseren Städten gibt es aus diesem Anlass jedes Jahr eine Parade, die ich mir natürlich auch anschauen musste. Auf dem Platz im Zentrum standen so ca. fünfhundert (vielleicht waren es auch tausend, ich bin sehr schlecht im schätzen) Soldaten in Uniform.  Zuerst wurden ein paar Reden gehalten, dann hat ein Veteran den jungen Soldaten und Marineleuten gratuliert (warum weiss ich auch nicht, denn sie haben ja gar nichts für den Sieg getan…), und jedes Mal, nachdem er gratuliert hatte, wurde fünf Mal laut „Ura“ (also Hurra auf Deutsch)  gerufen. Nachdem alle Soldaten wegmarschiert waren -was ziemlich lange dauerte, weil es so viele waren - wurden die ganzen Panzer und anderen Kriegsmaschinen vorgeführt, und dann war die Parade auch schon zu Ende. Im grossen und ganzen war es ganz interessant, und Gott sei Dank ging das Ganze nur etwas über eine Stunde, es war als aushaltbar.



 Am Abend hiess es dann schon wieder packen. Dabei spielte Julia Gitarre und  Alina, Mai und ich sangen dazu. Es hat schon was tolles, Gastgeschwister im selben Alter zu haben, so hat man immer etwas zu tun. Abreisen wollte ich nicht wirklich, denn ich habe mich sehr gut mit ihnen verstanden und mich in ihren Hund verliebt. Die Mutter ist zwar etwas überfürsorglich und macht alles für ihre Töchter, aber darüber kann man hinwegsehen.
Julia & Mai
Warum der Titel meines Blogs ist „ Wie schnell sich Pläne ändern“? Ich sitze am Flughafen, und warte auf meinen Flug auf die Kamtschatka. Ja, die Halbinsel gaaanz im Osten Russlands, wo die ganzen Bären und Vulkane sind! Geplant war eigentlich, dass ich nach den zehn Tagen Wladiwostok zurück nach Nachodka gehe. Dann ist aber vor einer Woche ein Mail von meinem Cousellor gekommen, in dem steht, dass der Rotary Club Kamtschatka drei Austauschschüler für neun Tage aufnehmen könne. Ich war so glücklich darüber, denn ich hatte mich sehr dafür eingesetzt, dass es klappt. Jetzt fliegen also der Taiwanese Rich, die Amerikanerin Ellen (beide aus Wladiwostok) und ich für neun Tage auf die Kamtschatka! Sogar ein festes Programm für jeden Tag haben wir schon zugeschickt bekommen, was sonst für Russland eher ungewöhnlich ist, und es klingt echt cool!

Samstag, 28. April 2012

Ostern


Hier wurde am Sonntag vor zwei Wochen , also eine Woche nach euch, Ostern gefeiert.  Am Abend vor Ostern war ich bei Stas abendessen, und als wir angefangen haben, uns über Ostern zu unterhalten, kam seiner Mutter die Idee, dass wir doch alle zusammen in der Nacht in die Kirche gehen könnten. Hier wird in der Nacht vor dem Ostersonntag immer Gottesdienst gehalten, und es wäre interessant für mich, das Ganze auch mal zu sehe und um den Osterkuchen und die gefärbten Eier könne man nebenbei auch noch segnen lassen. Das habe ich natürlich nicht abgelehnt und so haben wir uns nachts um elf auf den Weg zur Kirche gemacht. Wir haben es gerade noch geschafft, in dem Laden neben der Kirche, der übrigens Hochbetrieb hatte, jedem eine kleine Kerze zu kaufen, als auch schon die Türen der Kirche aufgingen und drei „Pfarrer“ mit Kreuzen usw. und einer Horde Leute im Schlepptau rauskamen. Draussen warten auch schon viele, alle mit einer Kerze in der Hand, und so sind alle eine Runde im Dunkeln um die Kirche gelaufen. Es sah echt schön aus, die ganzen Kerzen, aber ich war dann auch froh, als wir in die Kirche rein konnten, denn in meiner Schweizer Winterjacke wurde mir langsam kalt. 
Vor dem Betreten einer orthodoxen Kirche müssen sich  Frauen die Haare bedecken und alle bekreuzigen sich. Dabei werden Daumen Mittel- und Zeigefinger ausgestreckt  und zusammengelegt. Diese drei Finger sollen die Dreifaltigkeit symbolisieren.
 In der Kirche selbst befinden sich keine Bänke, sondern man steht einfach. Es hatte aber so viele Leute, dass ich überhaupt nicht gesehen habe, was vor sich gegangen ist.  Es sang die ganze Zeit über ein Frauenchor und dazu hat der „Pfarrer“ etwas gepredigt. Und immer zwischendurch sagte er mal wieder „Христос воскреc!“ (Christus ist auferstanden). Darauf antworten alle „Воистину воскрес!“ (Er ist wahrhaftig auferstanden) und man bekreuzigt sich. Ich habe mir mal noch überlegt, gesegnetes Wasser zu trinken, das in der Kirche ausgeschenkt wurde (man muss ja alles probieren), habe es dann aber doch sein gelassen. Die ganze Messe dauere etwa drei Stunden, wurde mir gesagt. Nach einer halben Stunde hatte ich es dann aber langsam gesehen, und so ging es im Taxi wieder nach Hause. Die Eier und der Kuchen waren dann halt nicht gesegnet, aber man kann es ja trotzdem essen:) 
beim um die Kirche laufen

in der Kriche. Zugegeben, man sieht nicht so viel...

Am nächsten Morgen gab es dann Osterkuchen, der unserem Panne tone extrem ähnlich ist, und gefärbte Eier zum Frühstück. Diese „dütscht“ man hier übrigens auch, obwohl es meine Familie mit den Regeln nicht so genau nahm, wie ich es mir von der Schweiz her gewohnt bin. An Ostern begrüsst man sich den ganzen Tag anstelle von Privjet oder was auch immer mit den Worten „Христос воскреc“ und der Antwort „Воистину воскрес“. Ziemlich cool, wie ich finde:)
Gegen Nachmittag ging es – wie immer an Festen – zu meiner Grossmutter auf die „Datscha“, die eigentlich gar keine ist, weil sie in der Stadt ist. Es wurde Schaschlik (Fleischspiesse) gebraten und natürlich sich sonst mit allem möglichem vollgegessen.
am Schaschlik machen

ein Teil "meiner" Verwandtschaft


Heute Samstag war in Russland ein normaler Arbeitstag, weil für den Montag vorgearbeitet werden musste, denn am Dienstag ist ja erster Mai, und es wäre ja absolut idiotisch, am Montag arbeiten zu gehen:)  Naja, nicht weiter schlimm, denn meine Schule hat einfach mal die Lektionen von 45 auf 35 Minuten gekürzt, damit wir nicht so leiden müssen.
Hier wird alles langsam grün, und ich bin sogar schon zwei Mal ohne Jacke zur Schule gegangen! Das ganze hebt meine Laune doch schon ziemlich, denn es ist schon alles etwas grau-braun im Winter, wenn kein Schnee liegt. Aus diesem Grund bin ich heute Abend mit Stas und einer Nachbarin spazieren gegangen. Da klingelte mein Telefon und dran war die Mutter eines Russischen Mädchens, das nächstes Jahr mit Rotary nach Kanada geht. Wir hatten uns an der Orientation etwas unterhalten, und sie meinte damals, dass sie mich gerne aufnehmen würde. Ich dachte mir damals noch, dass sie das einfach mal so gesagt hat, und es, wie so oft in Russland, wieder im Sand verläuft.  Dem war aber nicht so, denn sie mich tatsächlich gefragt, ob ich nicht morgen bis zum 9. Mai zu bei ihnen in Wladiwostok wohnen will! Natürlich habe ich eingewilligt, denn in Wladiwostok wohnen ja noch sieben andere Austauschschüler, und die Stadt ist interessanter und überhaupt mag ich es, mal bei anderen Familien reinzuschauen, um zu sehen, wie diese so leben. Das liebe ich an den Russen, diese Spontanität!

Mittwoch, 18. April 2012

Im Land der Kaiser

Aus misteriösen Gründen, hat sich dieser Post nach vorne verschoben.... Da ich weder weiss, wie man das wieder rückgängig machen kann, noch ihn löschen will, lasse ich ihn einfach mal hier, aber er gehört natürlich zum Januar

Ich glaube, es wird langsam Zeit, von meiner Reise nach China zu berichten..
Wir kamen am 26. Dezember nach einer dreizehnstündigen Busfahrt in der sechs Millionen Einwohnerstadt Harbin an. An der Grenze waren wir ziemlich lange angehalten worden, weil sich die Zöllner anscheinend nicht gewohnt waren, dass nicht nur Russen und Chinesen die Grenze übertreten. Wir zehn Austauschschüler haben ziemlich lange auf unsere Stempel gewartet… Dafür bekam ich ganz viele Komplimente für meinen wunderschönen Pass:)) In Harbin lebten wir für zwei Wochen in einem Studentenwohnheim der University of Technology. Diese hat einen riesigen Campus mit Banken, Restaurants, Sportplätzen und, und, und…  Wir hatten jeden Tag vier Stunden Chinesischunterricht, wobei man sagen muss, dass ich nicht allzu viel gelernt haben, denn die Hausaufgaben habe ich so gut wie nie gemacht.  Dummerweise gab es am Schluss einen Test, damit wir ein Diplom erhielten und unseren Leitern schien es extrem wichtig zu sein, dass wir diesen bestehen. Also habe ich doch ein bisschen gelernt und jetzt habe ich ein Zertifikat, das besagt, dass ich zwei Wochen lang Chinesisch gelernt habe. Ich glaube zwar nicht, dass mir das mal was bringen wird, aber es ist immerhin ein schönes Andenken. 
Eines der Highlights war wohl der Besuch der Eisstadt. Sie ist riesig und das Eis wird von innen heraus farbig beleuchtet. Es war nur extrem kalt, wie die ganze Zeit über in Harbin (ungefähr minus 30) und deshalb musste ich mich für den Schluss in ein völlig überteuertes Restaurant retten. Es hatte dort Preise wie in der Schweiz, wo man doch sonst ein ganzes Menu für umgerechnet einen Franken bekommt! Es war aber trotzdem super. Silvester haben wir übrigens ganz unspektakulär in einer Bar verbracht. Danach sind wir zurück zur Uni gegangen und haben – wie fast jeden Abend- Karten gespielt. Das ist ein Tick der Austauschschüler in Wladiwostok, sie spielen überall wo’s möglich ist Karten, aber ich muss sagen, ich bin auch schon etwas abhängig:)) Das einzige Feuerwerk, das ich gesehen habe war das, welches im Fernseher gezeigt wurde, denn in China wurde das Neue Jahr ja erst Mitte Januar gefeiert. 

Schule
 

die Eisstadt mit einer Rutsche im Vordergrund



Nach den zwei Wochen Harbin sind wir im Zug weiter nach Peking. Dort haben wir fünf Tage lang Exkursionen gemacht; den Winterpalast, die Chinesische Mauer, die Verbotene Stadt und so weiter gesehen. Echt eine super Stadt mit all dem historischen und modernen so nahe beieinander. 
Danach ging’s auch schon wieder im Nachtzug zurück nach Harbin (an dieser Stelle eine kurze Anmerkung: lasst nie eure Uhr unbeaufsichtigt in einer Jeans liegen, es könnte sein, dass sie wenn ihr das nächste Mal nachschaut weg ist…), und von dort aus am nächsten Tag im Bus nach Wladiwostok.

In den drei Wochen China habe ich wegen des Smogs kein einziges Mal blauen Himmel gesehen, ein bisschen eine Idee davon bekommen, wie die chinesische Sprache funktioniert und vor allem unglaublich gut gegessen. Mein Russisch hat sich definitiv nicht verbessert (es lebe die englische Sprache!), aber auch nicht merklich verschlechtert. Als ich zurückkam hat mich zu Hause übrigens schon der Weihnachtsbaum erwartet, den meine Gastfamilie extra noch etwas länger stehen lassen hat. Und das Beste: Es hatte sogar ein Geschenk drunter!
auf der Chinesischen Mauer
Platz des Himmlischen Friedens

vor dem Olympiastadion

Verbotene Stadt