Sonntag, 17. Juni 2012

Was Russen in den Ferien machen


Noch genau eine Woche habe ich übrig bis zum Ende meines „Abenteuers Russland“. Ich habe schon seit drei Wochen Sommerferien, die einfach nur wie im Flug vergangen sind.
 An meinem letzten Schulmorgen war ich in meiner ersten Schule, um mich von allen zu verabschieden, und am Nachmittag bin ich dann in die zweite gegangen. Unterricht gab es keinen mehr, nur die Zeremonie des „Letzten Klingelns“, bei der die Abschlussklassen verabschiedet werden. 
Vorbereiten der Zeremonie

Abschlussklasse. Die Mädchen kleiden sich wie am allerersten Schultag und Jungs im Anzug

In den Ferien habe ich die meiste Zeit damit verbracht, durch Läden zu rennen, um passende Souvenirs zu finden. Das Resultat ist aber relativ ernüchternd, denn Nachodka ist nicht wirklich ein Touristenparadies --> Souvenirmangel. Dafür habe ich eine ganze Reihe interessanter Läden entdeckt, die ganz versteckt sind. Irgendwie ist deren Marketingkonzept noch wirklich ausgereift, denn oft kann man erst auf den zweiten Blick erkennen, dass es sich überhaupt um einen Laden handelt. Dafür ist es drinnen umso interessanter, denn Ketten existieren praktisch nicht, was das Angebot um einiges abwechslungsreicher macht. Und natürlich habe ich mich mit Freunden getroffen, die ich teilweise schon monatelang nicht mehr gesehen hatte.

Am 8. Juni ging’s für mich dann in ein Englischlager. Sommerlager gehören richtig zur Kultur Russlands. Es gibt kaum Familien, die Kinder nicht in Lager schicken, denn was soll man sonst mit ihnen während der dreimonatigen Sommerferien anstellen?  Meist dauert ein solches Lager einen ganzen Monat; meines jedoch nur zwei Wochen. Um in ein Lager zu gehen braucht man eine Bestätigung  vom Arzt, dass man gesund ist. Also kam auch ich so noch zu meinem russischen Krankenhauserlebnis. Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, dass ich nicht wirklich krank war. Erst mal musste ich ewig lange in einem schmalen Korridor warten, und dann machte die Ärztin auch noch einen riesen Stress. Kein Wunder, denn für die Kontrolle musste ich umgerechnet gerade mal sechs Franken bezahlen, und zwar direkt der Ärztin. Der durchschnittliche Lohn eines normalen Arztes beträgt in Russland übrigens gerade mal 550 Franken im Monat. Wie man davon leben kann ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Naja egal, meine Erlaubnis habe ich bekommen.
Als ich mich von meiner Gastmutter fürs Lager verabschiedet hatte wurde ich schon beinahe sentimental; irgendwie setzte mir der Gedanke, dass ich nur noch drei Wochen übrig hatte etwas zu. Das Lager ist bis jetzt echt der Hammer. Jeder Tag fängt mit Morgenturnen um acht Uhr an, worauf knapp fünf Stunden Englischunterricht folgen. Es sind noch zwei andere Austauschschüler aus Irkutsk im Lager, und wir leiten meist irgendeine Lektion, denn wie schon gesagt, der Englischlevel der Russen ist relativ niedrig.
Morgenturnen
Die Kinder im Lager sind einfach nur super, ich verstehe mich mit allen extrem gut. Von den Kleinen werden die Brasilianerin und ich jeden Tag umarmt und wir gehen ganz oft händchenhaltend mit ihnen rum. Kurzum: Ein würdiger Abschluss.
Brasilianerin, Leiterin, ich und Zimmergenossin