Montag, 19. September 2011

Von verpassten Flügen und nicht vorhandenen Gepäckstücken

Am Freitagmorgen, dem 16. August ging mein Abenteuer mit drei Wochen Verspätung endlich los. Um 10 Uhr fuhr ich mit meiner Familie los zum Flughafen. Nachdem wir den Koffer aufgegeben und eine gute Stunde im Starbucks verbracht hatten, hiess es Abschied nehmen. Es gab zwar ein paar Tränen, aber ich hatte mich schnell wieder beruhigt, denn ein anderer Rotary-Austauschschüler, mit dem ich nach Moskau fliegen würde hatte nicht einmal feuchte Augen, da konnte ich nicht zehn Minuten flennend neben ihm herlaufen. Es verlief eigentlich alles gut, bis wir in Moskau zur Schlange für die Passkontrolle kamen. Diese war ziemlich lang, und aus irgendwelchen Gründen brauchte der Beamte bei jeder Person mindestens eine Minute, bis er endlich den Stempel machte. Schlussendlich sind wir über eine Stunde angestanden, und ich hatte noch 20 Minuten bis zum Start meines Anschlussfluges, denn wir waren schon verspätet in Moskau gelandet. Da war mir schon klar, dass ich es kaum noch schaffen werde. Ich habe aber trotzdem auf der Anzeigetafel nach meinem Flug gesucht, ihn aber nicht gefunden. Wie sich später herausstellen sollte, werden immer nur diejenigen Flüge angezeigt, die auch ab dem Terminal fliegen, auf dem die Anzeigetafel steht. Ich ging also zu einem Schalter von Aeroflot, um mir ein neues Ticket zu besorgen. Die Dame hinter dem Tresen konnte sogar etwas Englisch, was die ganze Sache erheblich erleichterte. Nach 10 Minuten hatte ich dann auch mein neues Ticket für ein Flugzeug, das um 23 Uhr anstatt um 20.25 flog. Ich war einfach nur heilfroh, nicht im Flughafen campieren zu müssen.
Der Flug nach Vladivostok dauerte 8:30 und ich hatte einen wunderbaren russischen Sitznachbarn, der zwar kein Englisch verstand, sich aber Zeit nahm, zu warten bis ich endlich einen russischen Satz zusammengebröselt hatte, und, wenn ich nicht verstand, was er sagte (was meistens der Fall war) es mir ganz langsam erklärte. Nach dem Nachtessen wurden im Flugzeug bald einmal die Lichter ausgemacht, damit man schlafen kann. Aber das hat definitiv nicht geklappt. Es könnte sein, dass ich mal für ca. 10 Minuten "weg" war, aber damit hatte es sich dann auch schon. Man hat einfach viel zu wenig Platz, und die Tatsache, dass es nur 2-3 Stunden dunkel war, weil wir gen Osten flogen, half auch nicht unbedingt. Irgendwann habe ich es dann aufgegeben und stattdessen ein bisschen aus dem Fenster geschaut und gelesen.
Um ca. 15 Uhr Ortszeit, sind wir in Vladivostok gelandet. Vom Flugzeug aus wurde man mit einem Bus zum Flughaufengebäude gefahren, wo aber nicht zuerst noch eine Passkontrolle oder etwas in der Art war, wie ich erwartet hatte; es wartete schon meine Gastschwester Katja (die wegen fehlenden Visums noch nicht in Deutschland ist) und meine Gastmutter dort. Sie hat mich umarmt und gleich zur Gepäckentgegennahme geschleppt. Dort haben wir aber vergeblich gewartet. Mein Koffer sei wohl noch in Moskau, hat uns eine Angestellte dort erklärt, er komme aber am nächsten Tag.
Inzwischen war auch mein Gastvater Yuri mit dem Auto am Flughafen, und wir fuhren los, ohne Koffer. Als wir nach drei Stunden Autofahrt endlich angekommen waren, war mir speiübel. An den russischen Fahrstil muss ich mich wohl erst noch gewöhnen:) 
Die Wohnung meiner Familie ist wirklich schön, obwohl es von aussen nicht so vielversprechend aussieht. Ich habe hier übrigens mein eigenes Zimmer. Um das möglich zu machen ist Katja zu ihrer Mutter ins Zimmer gezogen und Yuri zu Mischa, meinem Gastbruder. Ich habe schon fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen...
Zum Abendessen gab es übrigens irgendwelche Tintenfischküchlein mit Reis und drei verschiedene Sorten Salat, darunter einer mit Pilzen und einer mit Tintenfisch:)

Unser Wohnblock. Unsere Wohnung ist die zweitunterste

Mein Zimmer mit Kater Gucci

 Der Sonntag war weniger spektakulär. Meine Gasteltern sind nach dem Frühstück nach Vladivostok gefahren, um meinen Koffer abzuholen. Währenddessen sind Katja und ich in den Supermarkt gegangen, haben Chips und Popcorn gekauft und uns anschliessend zwei Filme angesehen: den dritten Teil von Narnia (ich weiss den Titel weder auf Russisch noch auf Deutsch) und Black Swan. Ich würde sagen den groben Zusammenhang habe ich verstanden, viel mehr aber auch nicht. Irgendwann kamen dann meine Gasteltern mit meinem Koffer wieder nach Hause. Ich war heilfroh, dass es der richtige war, und unendlich dankbar, dass sie den ganzen weiten Weg bis nach Vladivostok nochmals gefahren sind.
Nachdem ich ausgepackt hatte, ging ich in die Küche, um zu fragen ob ich sie fotografieren könne. Daraufhin hat mir Viktoria (meine Gastmutter) gleich eine Stadtrundfahrt angeboten, was ich natürlich gerne annahm.

Es wird Wert darauf gelegt, dass ich das sage: Das ist russischer Gammellook.

Katja mit Gucci und "Garri Potter" im Wohnzimmer

Nachodka von einem Hügel
Katja und ich

Eine sich noch im Bau befindliche Kirche

Meine Gastfamilie spricht übrigens praktisch kein Englisch, nur meine Gastschwester ein bisschen; es hält sich jedoch in Grenzen. Das macht die ganze Kommunikation natürlich etwas komplizierter, aber mit Händen und Füssen und Dictionnaire haben wir es bis jetzt immer geschafft. Vortschritte konnte ich bis jetzt noch nicht wirklich verzeichnen, vielleicht verstehe ich Sätze, in denen mir 3/4 der Wörter unbekannt sind etwas besser. Wie ich das jemals alles verstehen oder sogar selbst sagen soll, ist mir noch etwas schleierhaft.
Zur Schule gehe ich übrigens noch nicht. Es ist noch nicht einmal klar in welche ich gehen werde:)




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