Hier wurde am Sonntag vor zwei Wochen , also eine Woche nach
euch, Ostern gefeiert. Am Abend vor
Ostern war ich bei Stas abendessen, und als wir angefangen haben, uns über
Ostern zu unterhalten, kam seiner Mutter die Idee, dass wir doch alle zusammen
in der Nacht in die Kirche gehen könnten. Hier wird in der Nacht vor dem
Ostersonntag immer Gottesdienst gehalten, und es wäre interessant für mich, das
Ganze auch mal zu sehe und um den Osterkuchen und die gefärbten Eier könne man
nebenbei auch noch segnen lassen. Das habe ich natürlich nicht abgelehnt und so
haben wir uns nachts um elf auf den Weg zur Kirche gemacht. Wir haben es gerade
noch geschafft, in dem Laden neben der Kirche, der übrigens Hochbetrieb hatte,
jedem eine kleine Kerze zu kaufen, als auch schon die Türen der Kirche
aufgingen und drei „Pfarrer“ mit Kreuzen usw. und einer Horde Leute im
Schlepptau rauskamen. Draussen warten auch schon viele, alle mit einer Kerze in
der Hand, und so sind alle eine Runde im Dunkeln um die Kirche gelaufen. Es sah
echt schön aus, die ganzen Kerzen, aber ich war dann auch froh, als wir in die
Kirche rein konnten, denn in meiner Schweizer Winterjacke wurde mir langsam
kalt.
Vor dem Betreten einer orthodoxen Kirche müssen sich Frauen die Haare bedecken und alle bekreuzigen
sich. Dabei werden Daumen Mittel- und Zeigefinger ausgestreckt und zusammengelegt. Diese drei Finger sollen
die Dreifaltigkeit symbolisieren.
In der Kirche selbst
befinden sich keine Bänke, sondern man steht einfach. Es hatte aber so viele
Leute, dass ich überhaupt nicht gesehen habe, was vor sich gegangen ist. Es sang die ganze Zeit über ein Frauenchor
und dazu hat der „Pfarrer“ etwas gepredigt. Und immer zwischendurch sagte er
mal wieder „Христос воскреc!“ (Christus
ist auferstanden). Darauf antworten alle „Воистину воскрес!“ (Er ist wahrhaftig auferstanden) und man bekreuzigt sich.
Ich habe mir mal noch überlegt, gesegnetes Wasser zu trinken, das in der Kirche
ausgeschenkt wurde (man muss ja alles probieren), habe es dann aber doch sein
gelassen. Die ganze Messe dauere etwa drei Stunden, wurde mir gesagt. Nach
einer halben Stunde hatte ich es dann aber langsam gesehen, und so ging es im
Taxi wieder nach Hause. Die Eier und der Kuchen waren dann halt nicht gesegnet,
aber man kann es ja trotzdem essen:)
| beim um die Kirche laufen |
| in der Kriche. Zugegeben, man sieht nicht so viel... |
Am nächsten Morgen gab es dann Osterkuchen, der unserem
Panne tone extrem ähnlich ist, und gefärbte Eier zum Frühstück. Diese „dütscht“
man hier übrigens auch, obwohl es meine Familie mit den Regeln nicht so genau
nahm, wie ich es mir von der Schweiz her gewohnt bin. An Ostern begrüsst man
sich den ganzen Tag anstelle von Privjet oder was auch immer mit den Worten „Христос воскреc“ und der Antwort „Воистину воскрес“. Ziemlich cool, wie ich
finde:)
Gegen Nachmittag ging es – wie immer an Festen – zu meiner
Grossmutter auf die „Datscha“, die eigentlich gar keine ist, weil sie in der
Stadt ist. Es wurde Schaschlik (Fleischspiesse) gebraten und natürlich sich
sonst mit allem möglichem vollgegessen.
| am Schaschlik machen |
| ein Teil "meiner" Verwandtschaft |
Heute Samstag war in Russland ein normaler Arbeitstag, weil
für den Montag vorgearbeitet werden musste, denn am Dienstag ist ja erster Mai,
und es wäre ja absolut idiotisch, am Montag arbeiten zu gehen:) Naja, nicht weiter schlimm, denn meine Schule
hat einfach mal die Lektionen von 45 auf 35 Minuten gekürzt, damit wir nicht so
leiden müssen.
Hier wird alles langsam grün, und ich bin sogar schon
zwei Mal ohne Jacke zur Schule gegangen! Das ganze hebt meine Laune doch schon
ziemlich, denn es ist schon alles etwas grau-braun im Winter, wenn kein Schnee
liegt. Aus diesem Grund bin ich heute Abend mit Stas und einer Nachbarin spazieren gegangen. Da klingelte mein Telefon und dran war die Mutter eines Russischen Mädchens, das nächstes Jahr mit Rotary
nach Kanada geht. Wir hatten uns an der Orientation etwas unterhalten, und
sie meinte damals, dass sie mich gerne aufnehmen würde. Ich dachte mir damals noch,
dass sie das einfach mal so gesagt hat, und es, wie so oft in Russland, wieder
im Sand verläuft. Dem war aber nicht so,
denn sie mich tatsächlich gefragt, ob ich nicht morgen bis zum 9. Mai zu bei
ihnen in Wladiwostok wohnen will! Natürlich habe ich eingewilligt, denn in
Wladiwostok wohnen ja noch sieben andere Austauschschüler, und die Stadt ist
interessanter und überhaupt mag ich es, mal bei anderen Familien reinzuschauen,
um zu sehen, wie diese so leben. Das liebe ich an den Russen, diese
Spontanität!



