Samstag, 28. April 2012

Ostern


Hier wurde am Sonntag vor zwei Wochen , also eine Woche nach euch, Ostern gefeiert.  Am Abend vor Ostern war ich bei Stas abendessen, und als wir angefangen haben, uns über Ostern zu unterhalten, kam seiner Mutter die Idee, dass wir doch alle zusammen in der Nacht in die Kirche gehen könnten. Hier wird in der Nacht vor dem Ostersonntag immer Gottesdienst gehalten, und es wäre interessant für mich, das Ganze auch mal zu sehe und um den Osterkuchen und die gefärbten Eier könne man nebenbei auch noch segnen lassen. Das habe ich natürlich nicht abgelehnt und so haben wir uns nachts um elf auf den Weg zur Kirche gemacht. Wir haben es gerade noch geschafft, in dem Laden neben der Kirche, der übrigens Hochbetrieb hatte, jedem eine kleine Kerze zu kaufen, als auch schon die Türen der Kirche aufgingen und drei „Pfarrer“ mit Kreuzen usw. und einer Horde Leute im Schlepptau rauskamen. Draussen warten auch schon viele, alle mit einer Kerze in der Hand, und so sind alle eine Runde im Dunkeln um die Kirche gelaufen. Es sah echt schön aus, die ganzen Kerzen, aber ich war dann auch froh, als wir in die Kirche rein konnten, denn in meiner Schweizer Winterjacke wurde mir langsam kalt. 
Vor dem Betreten einer orthodoxen Kirche müssen sich  Frauen die Haare bedecken und alle bekreuzigen sich. Dabei werden Daumen Mittel- und Zeigefinger ausgestreckt  und zusammengelegt. Diese drei Finger sollen die Dreifaltigkeit symbolisieren.
 In der Kirche selbst befinden sich keine Bänke, sondern man steht einfach. Es hatte aber so viele Leute, dass ich überhaupt nicht gesehen habe, was vor sich gegangen ist.  Es sang die ganze Zeit über ein Frauenchor und dazu hat der „Pfarrer“ etwas gepredigt. Und immer zwischendurch sagte er mal wieder „Христос воскреc!“ (Christus ist auferstanden). Darauf antworten alle „Воистину воскрес!“ (Er ist wahrhaftig auferstanden) und man bekreuzigt sich. Ich habe mir mal noch überlegt, gesegnetes Wasser zu trinken, das in der Kirche ausgeschenkt wurde (man muss ja alles probieren), habe es dann aber doch sein gelassen. Die ganze Messe dauere etwa drei Stunden, wurde mir gesagt. Nach einer halben Stunde hatte ich es dann aber langsam gesehen, und so ging es im Taxi wieder nach Hause. Die Eier und der Kuchen waren dann halt nicht gesegnet, aber man kann es ja trotzdem essen:) 
beim um die Kirche laufen

in der Kriche. Zugegeben, man sieht nicht so viel...

Am nächsten Morgen gab es dann Osterkuchen, der unserem Panne tone extrem ähnlich ist, und gefärbte Eier zum Frühstück. Diese „dütscht“ man hier übrigens auch, obwohl es meine Familie mit den Regeln nicht so genau nahm, wie ich es mir von der Schweiz her gewohnt bin. An Ostern begrüsst man sich den ganzen Tag anstelle von Privjet oder was auch immer mit den Worten „Христос воскреc“ und der Antwort „Воистину воскрес“. Ziemlich cool, wie ich finde:)
Gegen Nachmittag ging es – wie immer an Festen – zu meiner Grossmutter auf die „Datscha“, die eigentlich gar keine ist, weil sie in der Stadt ist. Es wurde Schaschlik (Fleischspiesse) gebraten und natürlich sich sonst mit allem möglichem vollgegessen.
am Schaschlik machen

ein Teil "meiner" Verwandtschaft


Heute Samstag war in Russland ein normaler Arbeitstag, weil für den Montag vorgearbeitet werden musste, denn am Dienstag ist ja erster Mai, und es wäre ja absolut idiotisch, am Montag arbeiten zu gehen:)  Naja, nicht weiter schlimm, denn meine Schule hat einfach mal die Lektionen von 45 auf 35 Minuten gekürzt, damit wir nicht so leiden müssen.
Hier wird alles langsam grün, und ich bin sogar schon zwei Mal ohne Jacke zur Schule gegangen! Das ganze hebt meine Laune doch schon ziemlich, denn es ist schon alles etwas grau-braun im Winter, wenn kein Schnee liegt. Aus diesem Grund bin ich heute Abend mit Stas und einer Nachbarin spazieren gegangen. Da klingelte mein Telefon und dran war die Mutter eines Russischen Mädchens, das nächstes Jahr mit Rotary nach Kanada geht. Wir hatten uns an der Orientation etwas unterhalten, und sie meinte damals, dass sie mich gerne aufnehmen würde. Ich dachte mir damals noch, dass sie das einfach mal so gesagt hat, und es, wie so oft in Russland, wieder im Sand verläuft.  Dem war aber nicht so, denn sie mich tatsächlich gefragt, ob ich nicht morgen bis zum 9. Mai zu bei ihnen in Wladiwostok wohnen will! Natürlich habe ich eingewilligt, denn in Wladiwostok wohnen ja noch sieben andere Austauschschüler, und die Stadt ist interessanter und überhaupt mag ich es, mal bei anderen Familien reinzuschauen, um zu sehen, wie diese so leben. Das liebe ich an den Russen, diese Spontanität!

Mittwoch, 18. April 2012

Im Land der Kaiser

Aus misteriösen Gründen, hat sich dieser Post nach vorne verschoben.... Da ich weder weiss, wie man das wieder rückgängig machen kann, noch ihn löschen will, lasse ich ihn einfach mal hier, aber er gehört natürlich zum Januar

Ich glaube, es wird langsam Zeit, von meiner Reise nach China zu berichten..
Wir kamen am 26. Dezember nach einer dreizehnstündigen Busfahrt in der sechs Millionen Einwohnerstadt Harbin an. An der Grenze waren wir ziemlich lange angehalten worden, weil sich die Zöllner anscheinend nicht gewohnt waren, dass nicht nur Russen und Chinesen die Grenze übertreten. Wir zehn Austauschschüler haben ziemlich lange auf unsere Stempel gewartet… Dafür bekam ich ganz viele Komplimente für meinen wunderschönen Pass:)) In Harbin lebten wir für zwei Wochen in einem Studentenwohnheim der University of Technology. Diese hat einen riesigen Campus mit Banken, Restaurants, Sportplätzen und, und, und…  Wir hatten jeden Tag vier Stunden Chinesischunterricht, wobei man sagen muss, dass ich nicht allzu viel gelernt haben, denn die Hausaufgaben habe ich so gut wie nie gemacht.  Dummerweise gab es am Schluss einen Test, damit wir ein Diplom erhielten und unseren Leitern schien es extrem wichtig zu sein, dass wir diesen bestehen. Also habe ich doch ein bisschen gelernt und jetzt habe ich ein Zertifikat, das besagt, dass ich zwei Wochen lang Chinesisch gelernt habe. Ich glaube zwar nicht, dass mir das mal was bringen wird, aber es ist immerhin ein schönes Andenken. 
Eines der Highlights war wohl der Besuch der Eisstadt. Sie ist riesig und das Eis wird von innen heraus farbig beleuchtet. Es war nur extrem kalt, wie die ganze Zeit über in Harbin (ungefähr minus 30) und deshalb musste ich mich für den Schluss in ein völlig überteuertes Restaurant retten. Es hatte dort Preise wie in der Schweiz, wo man doch sonst ein ganzes Menu für umgerechnet einen Franken bekommt! Es war aber trotzdem super. Silvester haben wir übrigens ganz unspektakulär in einer Bar verbracht. Danach sind wir zurück zur Uni gegangen und haben – wie fast jeden Abend- Karten gespielt. Das ist ein Tick der Austauschschüler in Wladiwostok, sie spielen überall wo’s möglich ist Karten, aber ich muss sagen, ich bin auch schon etwas abhängig:)) Das einzige Feuerwerk, das ich gesehen habe war das, welches im Fernseher gezeigt wurde, denn in China wurde das Neue Jahr ja erst Mitte Januar gefeiert. 

Schule
 

die Eisstadt mit einer Rutsche im Vordergrund



Nach den zwei Wochen Harbin sind wir im Zug weiter nach Peking. Dort haben wir fünf Tage lang Exkursionen gemacht; den Winterpalast, die Chinesische Mauer, die Verbotene Stadt und so weiter gesehen. Echt eine super Stadt mit all dem historischen und modernen so nahe beieinander. 
Danach ging’s auch schon wieder im Nachtzug zurück nach Harbin (an dieser Stelle eine kurze Anmerkung: lasst nie eure Uhr unbeaufsichtigt in einer Jeans liegen, es könnte sein, dass sie wenn ihr das nächste Mal nachschaut weg ist…), und von dort aus am nächsten Tag im Bus nach Wladiwostok.

In den drei Wochen China habe ich wegen des Smogs kein einziges Mal blauen Himmel gesehen, ein bisschen eine Idee davon bekommen, wie die chinesische Sprache funktioniert und vor allem unglaublich gut gegessen. Mein Russisch hat sich definitiv nicht verbessert (es lebe die englische Sprache!), aber auch nicht merklich verschlechtert. Als ich zurückkam hat mich zu Hause übrigens schon der Weihnachtsbaum erwartet, den meine Gastfamilie extra noch etwas länger stehen lassen hat. Und das Beste: Es hatte sogar ein Geschenk drunter!
auf der Chinesischen Mauer
Platz des Himmlischen Friedens

vor dem Olympiastadion

Verbotene Stadt


Dienstag, 17. April 2012

Moskau & St. Petersburg


In den letzten drei Wochen habe ich ziemlich viel erlebt. Erst  mal war vor drei Wochen eine Orientation für alle Outbounds (russische Austauschschüler, die ins Ausland gehen) in Vladivostok. Die Austauschschüler, die mehr oder weniger in der Nähe wohnen (nach Russischem Massstab), kamen alle auch.  Das Programm war ziemlich langweilig, weil alles auf die Outbounds ausgelegt war, das heisst es wurden in den drei Tagen alle Rotary Regeln durchgekaut, Heimweh besprochen… kurz, alles, was ich auf meiner Orientation in der Schweiz oder auf der Orientation im Herbst in Russland auch schon gehört hatte. Wir haben die meiste Zeit nur mit zuhören verbracht, aber immerhin sah ich die anderen Austauschschüler. Was noch interessant war, als alle Outbounds ihre Länder erfahren haben. So wirklich offensichtlich gefreut hab sich zwar niemand bis auf zwei Mädchen, die nach Brasilien gehen, aber es haben auch die wenigsten ihre Erstwahl bekommen. Am letzten Tag hatte ich eine Präsentation über die Schweiz und meine Zeit hier. Ich habe es doch tatsächlich fertiggebracht, 20 Minuten ohne grosses Stocken auf Russisch zu erzählen!
alle Teilnehmer der Orientation



Vier Tage nach der Orientation ging’s auf die erste und einzige Rotary Reise: Moskau! Nach einem neunstündigen Flug und einer einstündigen Carfahrt  (gelobt sei Moskaus Verkehr!), haben wir zum ersten Mal die Austauschschüler, die in Sibirien wohnen gesehen. Es war super, und wir blieben trotz siebenstündiger Zeitverschiebung noch bis morgens um drei auf, um sich zu unterhalten. In Moskau selbst blieben wir drei Tage, und habe so ziemlich alles gesehen, was man sehen muss. Mein persönlicher Höhepunkt war, als wir auf dem Roten Platz Boris Becker mit seiner Frau erblickten und wir sogar ein Foto mit ihm haben! Moskau finde ich persönlich gar nicht so schlimm, wie immer alle sagen; es gefällt mir eigentlich gerade so gut wie Paris oder Prag.

unsere Gruppe mit dem MGU im Hintergrund
Boris Becker, Fritz und ich
Nach diesen drei Tagen ging es weiter im Nachtzug nach St. Petersburg. Dort hatten wir, wie auch in Moskau, einen Guide und einen Car, der uns von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit brachte. Eigentlich schade, denn wir gingen praktisch gar nie zu Fuss, und so „fühlt“ man die Stadt irgendwie  nicht richtig. Unser Hotel war direkt im Zentrum, und so gingen wir abends oft noch in eine nahegelegenes Einkaufszentrum shoppen, wo ich ziemlich viel Geld liegenlassen habe. Mir gefällt die Kleidung dort irgendwie besser als in Nachodka. Überhaupt unterscheidet sich der Kleidungsstil extrem. Wenn in Nachodka viele Frauen Jupes, Röcke und Absätze tragen, so laufen in Moskau, wie in Europa, praktisch alle in Jeans rum und wagen sich aber sonst etwas mehr.
Brasilien, Kolumbien, Taiwan, Russland und im Vordergrund Jakutien (ebenfalls RU) (und ja, es ist wirklich Schnee)

Isaakskathedrale
im Peterhof


vor der Christi-Auferstehungs-Kathedrale


 St. Petersburg ist wirklich eine wunderschöne Stadt, und ich glaube, ich mag sie etwas lieber als Moskau. Die Häuser sind alle sehr niedrig, da es verboten war, höher als der Kaiserpalast zu bauen und es ist alles, bis auf den Peterhof, schön im Zentrum.  
Am letzten Abend in St. Petersburg gingen wir sogar noch ins Marinsky Theater Ballet schauen. Irgendwie ein Muss in Russland. Es war sehr schön, nur leider hatten wir die ganze Zeit über immer so wenig geschlafen, dass mir fast die Augen zufielen, und jemand ist wirklich eingeschlafen:) Nach dem Ballet gingen wir direkt zum Bahnhof, wo wir wiederum mit dem Nachtzug zurück nach Moskau fuhren. Warum ist mir ehrlich gesagt schleierhaft, denn wir verbrachten in Moskau nur einen Morgen, und dann ging’s auch schon wieder zum Flughafen.
Der Abschied fiel uns allen extrem schwer. Es gab viele Tränen, denn wer weiss, wann wir uns (wenn überhaupt) wiedersehen werden. Diese zehn Tage gehören definitiv zu meinen Besten in Russland, und ich werde sie bestimmt nie vergessen.