Sonntag, 25. September 2011
Wasserfall und russische Feste
Am Donnerstag hatte meine Klasse Gesundheitstag. Das heisst, man hat einen Tag lang keine Schule und geht auf eine Exkursion. In unserem Fall ging es zu einem Wasserfall in die Taiga. Wir fuhren mit einer Marschrutka, einem Kleinbus, über drei Stunden dorthin. Dabei sind wir nur etwa vierzig Minuten auf geteerten Strassen gefahren, der Rest war holpriger Kiesweg durch den Wald und über kleinere Flüsse, über die nur zum Teil Brücken führten. Wir konnten aber nicht ganz bis zum Wasserfall fahren, und mussten den letzten Teil noch zu Fuss zurücklegen. Der Weg war steil und es hatte überall Wurzeln; ausserdem gingen wir ziemlich schnell. Zu meiner grossen Überraschung hat nicht jemand reklamiert, und das nach einer solchen Sportstunde! Der Wasserfall war zwar nicht riesig, aber wunderschön (Fotos folgen). Als wir oben angekommen waren, nahmen als erstes gleich alle ihren Fotoapparat hervor und begannen Fotos zu schiessen. Zuerst ein zwei vom Wasserfall und dann von sich selbst oder von sich selbst mit ein paar Kollegen. Und das eine geschlagene Stunde! Somit wäre auch klar, was das Lieblingshobby der Mädchen hier ist. Nachdem alle fertig fotografiert hatten, ging es auch schon wieder nach unten. Bei der Marschrutka angekommen gab es Suppe und Salat zum Mittagessen. Als wir fertig gegessen hatten, sind wir wieder in die Marschrutka eingestiegen und den Weg nach Hause angetreten. Ein Junge hatte seine Gitarre mitgenommen, und so wurde der ganze Weg nach Hause gesungen. Es waren nur Russische Lieder dabei, und die Russischen Lieder, die ich kenne, lassen sich an einer Hand abzählen… So bin ich halt einfach daneben gesessen und habe zugehört.
Trotz der Lieder war es ein super Tag. Jetzt habe ich mit allen Leuten aus meiner Klasse mindestens einmal gesprochen, und muss sagen, es sind wirklich ausnahmslos alle nett! Was ich vor allem toll finde ist, dass sie noch immer versuchen, sich mit mir zu unterhalten, denn meistens verstehe ich schon mal gar nicht, was sie fragen, und wenn ich es dann mal verstehe, fehlen mir die Wörter um zu antworten. Ich glaube in der Schweiz wäre so jemand schon lange links liegen gelassen worden.
Am Freitagabend feierte die Grossmutter von Katja ihren 60. Geburtstag. Dafür hatte mir Katja extra mit dem Lockenstab Locken in die Haare gemacht, und von meiner Gastmutter konnte ich ein Kleid ausleihen. Denn das, was ich für ein solches Fest als genügend elegant bezeichnen würde, wird in Russland in die Schule angezogen. Es waren ca. dreissig Leute eingeladen. Das Fest war in einem Saal, in dem zwei lange Tische mit kalten Speisen drauf aufgestellt waren. Während des ganzen Abends lief Musik, und es standen immer wieder Leute auf, um ihre Gratulationen vorzulesen. Ausserdem war eine Frau engagiert, die das Programm etwas strukturierte. Sie trat unter anderem als Krankenschwester verkleidet auf, sang und machte Spiele mit den Gästen. Irgendwann im Laufe des Abends verabschiedete sie sich dann, und ab da wurde getanzt. Ich habe mich erfolgreich gegen alle Versuche gewehrt, mich auf die Tanzfläche zu schleppen, denn zu dieser Musik konnte ich einfach nicht tanzen. Zum Schluss liefen dann noch ein paar modernere Stücke, unter anderem Loca People, ein riesen Hit in Russland. Ich wurde schon mehrfach aufgefordert, zu übersetzen, was gesungen wird. Das ganze Lied besteht eigentlich aus folgenden Sätzen: All day, all night. Viva la música, viva las fiestas (wobei viva wie fifa augesprochen wird) und Johny la gente está muy loca. Für die, die es interessiert hier ist der Link dazu.
Der Abend war echt toll! Ich würde sagen, es war ein Russisches Fest mit allem drum und dran (natürlich auch Vodka und angetrunkenen Leuten:))
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen