Der Rotary-Club Nachodka organisiert dieses Jahr eine Halloweenparty. Vinício,
Dasha (sie hat bei der Orientation geholfen) und ich werden das ganze
moderieren. Am Samstag gingen wird deshalb in die beiden grossen Einkaufszentren der Stadt, um nach Kostümen Ausschau zu halten. Natürlich haben wir
nichts gefunden, denn in Russland wird Halloween eigentlich nicht gefeiert.
Dafür bin ich zum ersten mal alleine Bus gefahren. Eine Fahrt kostet, egal
wohin, immer 13 Rubel (umgerechnet etwa 40 Rp.), die man dem Kontrolleur, der
neben der Eingangstür sitzt bezahlt. Zuerst habe ich mit Dasha zwanzig Minuten
auf meinen Bus gewartet, denn es war schon Abend, und folglich fahren sie nicht
mehr so häufig. Es war dann auch schon dunkel als der Bus endlich kam. Während
der Fahrt war auf einmal ein Knall zu hören, und als ich mich umdrehte, sah ich
einen Mann am Boden liegen. Ich war ziemlich geschockt, denn ich dachte er habe
einen Herzinfarkt oder so erlitten. Von den anderen Passagieren schien sich
aber niemand wirklich um ihn zu kümmern, bis der Kontrolleur kam, ihn rüttelte
und aufforderte aufzustehen. Mir ging allmählich ein Licht auf, dass er wohl keinen
Herzinfarkt erlitten hatte, sondern einfach nur stock betrunken war. Leider
sieht man hier solche Leute noch öfters auf der Strasse, es hat also etwas auf
sich mit diesem Stereotypen. Ich habe es übrigens sicher nach Hause geschafft,
obwohl die Stationen weder angesagt noch -gezeigt werden.
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| Das Einkaufszentrum "Tichokeanski" |
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| Dasha,Vinicio und ich |
Seit Montag kommt Katja nicht mehr
zur Schule, weil sie gedacht hat, sie könne am Mittwoch nach Deutschland
fliegen, und sich schon von allen verabschiedet hat. Es hat sich dann aber
herausgestellt, dass ihre Gastfamilie in den Ferien ist. Deshalb fliegt sie
erst am 30. Oktober. Ich bin froh, dass sie noch etwas hier bleibt, es wird
bestimmt um einiges langweiliger ohne sie. Als ich am Montagmorgen in der
Schule ankam, waren alle ganz verwundert, dass ich den Weg zur Schule ganz
alleine geschafft habe. Ich meine ich habe vielleicht nicht gerade den besten
Orientierungssinn, aber ich hatte drei Wochen Zeit, um mir den ganzen Weg einzuprägen.
Irgendwie werde ich hier etwas unterschätzt…
Das wurde aber am Mittwoch geändert. In unserem Geschichtszimmer steht ein
(völlig verstimmtes) Klavier. Ich habe in der Pause ein paaren ein das einzige
Lied, das ich auswendig kann darauf vorgespielt. Diese waren so verzückt von
meinen Klavierkünsten, dass ich es nachher gleich nochmals der Lehrerin
vorspielen musste. Nach der Stunde kam Katja (nicht meine Gastschwester) zu
mir, und meinte, sie habe fast geweint.
Überhaupt war Mittwoch ein spezieller
Tag. Im Sportunterricht haben wir Krafttraining gemacht. Da aber die Schule
nicht im Besitz eines Kraftraumes ist, muss man eben andere Mittel finden. Das
ging in unserem Fall so: Jeweils vier Leute bekamen ein Bänkchen. Dieses wurde
auf Kommando der Sportlehrerin über den Kopf gehoben und beim nächsten Kommando
wieder abgestellt. Mann, ich hatte echt Angst, dass mir das Ding auf den Kopf
fällt; ich habe es aber zum Glück heil überstanden. Liegestützen sind mir aber
definitiv lieber! In der Garderobe traf ich noch die Kinder an, denen ich am
Lehrertag Englisch unterrichtet hatte. Sie liessen mich kaum mehr gehen, sie
hatten so viele Fragen. Übrigens wollen jetzt alle mal in der Schweiz Ferien
machen. Eigentlich sollte mich ja Schweiz Tourismus sponsern
:)
Nach dem regulären Unterricht gab es einen Wettbewerb in Morgengymnastik,
denn wie schon erwähnt, wird das hier jeden Tag praktiziert. Jede Klasse hatte
ihre Gymnastik der Jury, bestehend aus Sportlehrern, vorzuführen. Wir haben
unsere Übung erst zehn Minuten vor der Vorführung, auf Drängen unserer
Klassenlehrerin, fertiggestellt. Denn am Morgen machen wir in den letzten
vierzig Sekunden des Liedes nie etwas. Wer gewonnen hat, weiss man noch nicht,
ich rechne meiner Klasse aber nicht besonders gute Chancen aus.
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| ein Teil meines Schulwegs |
In zehn Minuten gehe ich los, um mit jemandem von Rotary, Vinício und einer
Horde Kinder, zwei Tage im Wald zu verbringen. Davon, was mich erwartet, habe
ich keine Ahnung, aber in Russland ist man ja schliesslich spontan.
Liebe Rosanna
AntwortenLöschenDas ist ja alles hochspannend, was Du in Deinem Blog schreibst. Ich freue mich auf mehr Abenteuer meiner Nachbarin in Russland.
Liebi Grüess
Janine