Freitag, 14. Oktober 2011

Von Busfahrten und Fitness

Der Rotary-Club Nachodka organisiert dieses Jahr eine Halloweenparty. Vinício, Dasha (sie hat bei der Orientation geholfen) und ich werden das ganze moderieren. Am Samstag gingen wird deshalb in die beiden grossen Einkaufszentren der Stadt, um nach Kostümen Ausschau zu halten. Natürlich haben wir nichts gefunden, denn in Russland wird Halloween eigentlich nicht gefeiert. Dafür bin ich zum ersten mal alleine Bus gefahren. Eine Fahrt kostet, egal wohin, immer 13 Rubel (umgerechnet etwa 40 Rp.), die man dem Kontrolleur, der neben der Eingangstür sitzt bezahlt. Zuerst habe ich mit Dasha zwanzig Minuten auf meinen Bus gewartet, denn es war schon Abend, und folglich fahren sie nicht mehr so häufig. Es war dann auch schon dunkel als der Bus endlich kam. Während der Fahrt war auf einmal ein Knall zu hören, und als ich mich umdrehte, sah ich einen Mann am Boden liegen. Ich war ziemlich geschockt, denn ich dachte er habe einen Herzinfarkt oder so erlitten. Von den anderen Passagieren schien sich aber niemand wirklich um ihn zu kümmern, bis der Kontrolleur kam, ihn rüttelte und aufforderte aufzustehen. Mir ging allmählich ein Licht auf, dass er wohl keinen Herzinfarkt erlitten hatte, sondern einfach nur stock betrunken war. Leider sieht man hier solche Leute noch öfters auf der Strasse, es hat also etwas auf sich mit diesem Stereotypen. Ich habe es übrigens sicher nach Hause geschafft, obwohl die Stationen weder angesagt noch -gezeigt werden.
Das Einkaufszentrum "Tichokeanski"
Dasha,Vinicio und ich
 Seit Montag kommt Katja nicht mehr zur Schule, weil sie gedacht hat, sie könne am Mittwoch nach Deutschland fliegen, und sich schon von allen verabschiedet hat. Es hat sich dann aber herausgestellt, dass ihre Gastfamilie in den Ferien ist. Deshalb fliegt sie erst am 30. Oktober. Ich bin froh, dass sie noch etwas hier bleibt, es wird bestimmt um einiges langweiliger ohne sie. Als ich am Montagmorgen in der Schule ankam, waren alle ganz verwundert, dass ich den Weg zur Schule ganz alleine geschafft habe. Ich meine ich habe vielleicht nicht gerade den besten Orientierungssinn, aber ich hatte drei Wochen Zeit, um mir den ganzen Weg einzuprägen. Irgendwie werde ich hier etwas unterschätzt…
Das wurde aber am Mittwoch geändert. In unserem Geschichtszimmer steht ein (völlig verstimmtes) Klavier. Ich habe in der Pause ein paaren ein das einzige Lied, das ich auswendig kann darauf vorgespielt. Diese waren so verzückt von meinen Klavierkünsten, dass ich es nachher gleich nochmals der Lehrerin vorspielen musste. Nach der Stunde kam Katja (nicht meine Gastschwester) zu mir, und meinte, sie habe fast geweint.
Überhaupt war Mittwoch ein spezieller Tag. Im Sportunterricht haben wir Krafttraining gemacht. Da aber die Schule nicht im Besitz eines Kraftraumes ist, muss man eben andere Mittel finden. Das ging in unserem Fall so: Jeweils vier Leute bekamen ein Bänkchen. Dieses wurde auf Kommando der Sportlehrerin über den Kopf gehoben und beim nächsten Kommando wieder abgestellt. Mann, ich hatte echt Angst, dass mir das Ding auf den Kopf fällt; ich habe es aber zum Glück heil überstanden. Liegestützen sind mir aber definitiv lieber! In der Garderobe traf ich noch die Kinder an, denen ich am Lehrertag Englisch unterrichtet hatte. Sie liessen mich kaum mehr gehen, sie hatten so viele Fragen. Übrigens wollen jetzt alle mal in der Schweiz Ferien machen. Eigentlich sollte mich ja Schweiz Tourismus sponsern:)
Nach dem regulären Unterricht gab es einen Wettbewerb in Morgengymnastik, denn wie schon erwähnt, wird das hier jeden Tag praktiziert. Jede Klasse hatte ihre Gymnastik der Jury, bestehend aus Sportlehrern, vorzuführen. Wir haben unsere Übung erst zehn Minuten vor der Vorführung, auf Drängen unserer Klassenlehrerin, fertiggestellt. Denn am Morgen machen wir in den letzten vierzig Sekunden des Liedes nie etwas. Wer gewonnen hat, weiss man noch nicht, ich rechne meiner Klasse aber nicht besonders gute Chancen aus.

ein Teil meines Schulwegs
In zehn Minuten gehe ich los, um mit jemandem von Rotary, Vinício und einer Horde Kinder, zwei Tage im Wald zu verbringen. Davon, was mich erwartet, habe ich keine Ahnung, aber in Russland ist man ja schliesslich spontan.


1 Kommentar:

  1. Liebe Rosanna

    Das ist ja alles hochspannend, was Du in Deinem Blog schreibst. Ich freue mich auf mehr Abenteuer meiner Nachbarin in Russland.

    Liebi Grüess
    Janine

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