Zuerst haben wir nur etwas zugeschaut, dann meinte Vinício aber,
er würde das extrem gerne auch mal machen, und heute sei es ja schliesslich
warm. War es auch: Wir hatten -6 Grad und Sonnenschein; so hohe Temperaturen
hatten wir schon lange nicht mehr. Allein wollte er aber nicht gehen und da
sich von den anderen niemand bereiterklärte mitzukommen, liess ich mich
schlussendlich dazu überreden. Allzu oft wird sich eine solche Gelegenheit wohl
kaum mehr bieten. Ausserdem hat das ganze den positiven Nebeneffekt, von allen
Sünden reingewaschen zu werden und man wird ein Jahr nicht krank. Da ich
sicherheitshalber meine Badehosen mitgenommen hatte, hielt uns nichts mehr
davon ab, uns in kalte Wasser zu stürzen.
Ich würde sagen, das im Bikini vor dem Wasser stehen ist der
schlimmste Teil am Ganzen. Vor allem werden die Füsse unglaublich kalt, weil
man ja auf Eis steht. Wir sind zu zweit reingesprungen, drei Mal abgetaucht und so schnell wie möglich
über eine Leiter wieder raus. Ich hatte mir das Wasser kälter vorgestellt. Also
klar, angenehm war es nicht, und beim dritten Mal untertauchen hatte ich das
Gefühl, wenn ich’s nochmals tue, kriege ich keine Luft mehr, aber im Grossen und Ganzen war es ganz ok. Nachdem
ich mich abgetrocknet hatte war mir aber sogar im Bikini warm! Nach dem
Schwimmen sind wir noch in eine Kirche gegangen; für mich das erste Mal in
Russland. Gross von katholischen Kirchen unterscheidet sich das Innere
eigentlich nicht, nur müssen sich die Frauen den Kopf bedecken. Wir haben eine
Kerze angezündet, ein bisschen die Bilder angeschaut und anschliessend zu Vinícios
Gastmutter auf einen Tee nach Hause gegangen. Meine Füsse waren zwar noch bis ich nach zwei
Stunden eine Dusche genommen habe kalt, aber krank bin ich nicht geworden und
ich habe ja noch ein ganzes Jahr ohne Krankheit vor mir:))
![]() |
| der Beweis |
Vor zehn Tagen ist Vinício
zurück nach Brasilien gegangen. Seit wir uns an der Orientation kennengelernt haben sind wir echt gute Freunde
geworden; ich habe praktisch jeden Nachmittag etwas mit ihm und Stas unternommen, und
der Abschied war dementsprechend hart. Wir haben aber schon
abgemacht, dass ich ihn im nächsten Februar in Brasilien besuchen komme. Gleich nach Vinicios Abreise ist Stas dann auch noch für zwei nach Wladiwostok gegangen. Kurz, meine
Nachmittage in den letzten zwei Wochen waren
nicht die interessantesten. Von den Leuten in meiner Klasse, mit denen ich mich
gut verstehe haben eigentlich alle am Nachmittag sonst was zu tun. Ich bin also
zum Schluss gekommen, dass ich dringend ein Hobby brauche. Am Freitag war ich
mit einer Mitschülerin im Fitnesscentre. Es war eigentlich nicht schlecht,
Fitnesscentre halt.Jetzt habe ich echt schlimmen Muskelkater, da das das
erste Mal Sporttreiben seit sechs Monaten war. Wahrscheinlich lasse ich das
aber in Zukunft sein, denn ab Montag gehe ich drei Mal pro Woche ins Tanzen. Eigentlich
hätte ich ja schon in der Schweiz gerne getanzt, habe mich aber nie wirklich
getraut, denn ich habe mich als zu alt befunden, um noch damit anzufangen. Die
Gruppe, in die ich hier komme ist auch keine für Anfänger. Ich dachte mir
einfach, dass ich mit meinem brüchigen Russisch hier sowieso schon genug
blamiere, dann kommt es auf das Tanzen jetzt auch nicht mehr an. Wünscht mir Glück!

Liebe Rosanna
AntwortenLöschenDeine Berichte sind immer ganz toll! Vielen Dank, dass du uns an deinem Austauschjahr auf diese Weise teilnehmen lässt!
Weiterhin einen schönen Aufenthalt und liebe Grüsse.
Regula