Samstag, 4. Februar 2012

Kreshenie

In Russland ist jedes Jahr irgendwann im Januar die so genannte Крещение (=Taufe).  Am Tag der Kreshenie und in der Woche danach soll – wie ich das verstanden habe - das Wasser anders sein, heilig irgendwie. Deshalb geht der harte Russe in der Woche der Kreshenie in einem See oder im Meer baden. Da das Kultur ist, musste ich natürlich unbedingt auch hingehen. Vinícios erst Gastmutter hat ihn, Stas und mich eingeladen, mit ihnen zu kommen. Wir fuhren zu einem See, etwa eine halbe Stunde von Nachodka entfernt. Dort war im Eis ein Loch in der Form eines Kreuzes rausgeschlagen und es hatte auch ziemlich viele Leute dort, jedoch haben mehr geschaut als gebadet. Obwohl, baden kann man das nicht nennen, es ist mehr reingehen und dreimal untertauchen, denn das muss man tun, damit’s auch gilt.
Zuerst haben wir nur etwas zugeschaut, dann meinte Vinício aber, er würde das extrem gerne auch mal machen, und heute sei es ja schliesslich warm. War es auch: Wir hatten -6 Grad und Sonnenschein; so hohe Temperaturen hatten wir schon lange nicht mehr. Allein wollte er aber nicht gehen und da sich von den anderen niemand bereiterklärte mitzukommen, liess ich mich schlussendlich dazu überreden. Allzu oft wird sich eine solche Gelegenheit wohl kaum mehr bieten. Ausserdem hat das ganze den positiven Nebeneffekt, von allen Sünden reingewaschen zu werden und man wird ein Jahr nicht krank. Da ich sicherheitshalber meine Badehosen mitgenommen hatte, hielt uns nichts mehr davon ab, uns in kalte Wasser zu stürzen.

Ich würde sagen, das im Bikini vor dem Wasser stehen ist der schlimmste Teil am Ganzen. Vor allem werden die Füsse unglaublich kalt, weil man ja auf Eis steht. Wir sind zu zweit reingesprungen,  drei Mal abgetaucht und so schnell wie möglich über eine Leiter wieder raus. Ich hatte mir das Wasser kälter vorgestellt. Also klar, angenehm war es nicht, und beim dritten Mal untertauchen hatte ich das Gefühl, wenn ich’s nochmals tue, kriege ich keine Luft mehr, aber  im Grossen und Ganzen war es ganz ok. Nachdem ich mich abgetrocknet hatte war mir aber sogar im Bikini warm! Nach dem Schwimmen sind wir noch in eine Kirche gegangen; für mich das erste Mal in Russland. Gross von katholischen Kirchen unterscheidet sich das Innere eigentlich nicht, nur müssen sich die Frauen den Kopf bedecken. Wir haben eine Kerze angezündet, ein bisschen die Bilder angeschaut und anschliessend zu Vinícios Gastmutter auf einen Tee nach Hause gegangen.  Meine Füsse waren zwar noch bis ich nach zwei Stunden eine Dusche genommen habe kalt, aber krank bin ich nicht geworden und ich habe ja noch ein ganzes Jahr ohne Krankheit vor mir:))
 
der Beweis

Vor zehn Tagen ist  Vinício zurück nach Brasilien gegangen. Seit wir uns an der Orientation kennengelernt haben sind wir echt gute Freunde geworden; ich habe praktisch jeden Nachmittag etwas mit ihm und Stas unternommen, und der Abschied war dementsprechend hart. Wir haben aber schon abgemacht, dass ich ihn im nächsten Februar in Brasilien besuchen komme. Gleich nach Vinicios Abreise ist Stas dann auch noch für zwei nach Wladiwostok gegangen. Kurz, meine Nachmittage in den letzten zwei  Wochen waren nicht die interessantesten. Von den Leuten in meiner Klasse, mit denen ich mich gut verstehe haben eigentlich alle am Nachmittag sonst was zu tun. Ich bin also zum Schluss gekommen, dass ich dringend ein Hobby brauche. Am Freitag war ich mit einer Mitschülerin im Fitnesscentre. Es war eigentlich nicht schlecht, Fitnesscentre halt.Jetzt habe ich echt schlimmen Muskelkater, da das das erste Mal Sporttreiben seit sechs Monaten war. Wahrscheinlich lasse ich das aber in Zukunft sein, denn ab Montag gehe ich drei Mal pro Woche ins Tanzen. Eigentlich hätte ich ja schon in der Schweiz gerne getanzt, habe mich aber nie wirklich getraut, denn ich habe mich als zu alt befunden, um noch damit anzufangen. Die Gruppe, in die ich hier komme ist auch keine für Anfänger. Ich dachte mir einfach, dass ich mit meinem brüchigen Russisch hier sowieso schon genug blamiere, dann kommt es auf das Tanzen jetzt auch nicht mehr an. Wünscht mir Glück!

1 Kommentar:

  1. Liebe Rosanna

    Deine Berichte sind immer ganz toll! Vielen Dank, dass du uns an deinem Austauschjahr auf diese Weise teilnehmen lässt!

    Weiterhin einen schönen Aufenthalt und liebe Grüsse.

    Regula

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