Sonntag, 20. Mai 2012

Wie schnell sich Pläne ändern


Vorweg: Diesen Post habe ich schon vor zehn Tagen verfasst, hatte nur nie Internetanschluss, um ihn zu veröffentlichen.Also immer schön zurückrechnen :)

Die Zeit in Wladiwostok war einfach klasse. Die ersten paar Tage haben wir alle - das heisst meine Gasteltern auf zehn Tage, deren beide Töchter Julia und Alina (14+15) und Mai, die Austauschschülerin aus Thailand, die bei ihnen wohnt - bei der Grossmutter etwas ausserhalb der Stadt verbracht. Sie lebt in einer Art Villenviertel,  und selbst lebt sie auch in einem riesigen Haus. Insgesamt acht Schlafzimmer, drei Badezimmer und eine riesen Küche und Wohnzimmer. Meine neue Gastgrossmutter hat mich absolut an das Klischee einer reichen Dame erinnert; also im guten Sinne. Sie drückt sich sehr gewählt aus, hat einen guten Kleiderstil und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Vom Haus aus brauchte man nur fünf Minuten um ans Meer zu gelangen, so waren wir ein paar Mal dort, oder haben uns einfach mit den anderen sechs Austauschschülern im Zentrum getroffen.  Die Tage in der Villa, oder wie man das auf Deutsch auch immer nennen will, habe ich riesig genossen, denn es gab Platz zum verschwenden, was sonst jeweils in Russland nicht so der Fall ist. Naja, diese Freude währte nicht allzu lange, denn nach drei Tagen ging es in die Wohnung der Familie ins Zentrum der Stadt. Wenn ich vorher mein eigenes Zimmer hatte, so musste ich es nun mit meiner Gastschwester Julia teilen, und Mai schlief mit der anderen Tochter, Alina, in einem Zimmer. Nicht dass es extrem schlimm war oder so, nur wollte Julia bis tief in die Nacht hinein reden, und ich brauchte meinen Schönheitsschlaf:)
am Strand mit den Austauschülern und ganz links Alina
Unter der Woche ging ich wiederum in die Privatschule, in der ich im Herbst schon war, und in die alle Austauschschüler gehen. Mai und ich wurden jeden Morgen  hingefahren, obwohl es mit dem Bus nur etwa fünf Minuten länger wäre, aber mir soll’s recht sein. Da die Direktorin der Schule an einer Rotarykonferenz in Thailand war und das Ende des Schuljahrs naht, ging es mit der Disziplin ziemlich den Bach runter. Es kamen dauernd Schüler und Lehrer zu spät, und wir, die Austauschschüler sind meist nicht zu allen Stunden gegangen. Dafür haben wir an Nachmittagen Thailändisches Essen gekocht, sind in ein Koreanisches Restaurant gegangen, ans Meer gefahren, Schaschlik gebraten,  haben einen Bunker besichtigt und so weiter. Kurz, mir wurde nie langweilig. 


Gestern, am neunten Mai, war ein sehr spezieller Tag in Russland, der Tag des Sieges. Es wird der Sieg der Alliierten über die Nazis gefeiert. In Russland ist es deshalb erst am neunten Mai, weil sie den Vertrag einen Tag später als der Rest unterzeichnet haben. 
 In allen grösseren Städten gibt es aus diesem Anlass jedes Jahr eine Parade, die ich mir natürlich auch anschauen musste. Auf dem Platz im Zentrum standen so ca. fünfhundert (vielleicht waren es auch tausend, ich bin sehr schlecht im schätzen) Soldaten in Uniform.  Zuerst wurden ein paar Reden gehalten, dann hat ein Veteran den jungen Soldaten und Marineleuten gratuliert (warum weiss ich auch nicht, denn sie haben ja gar nichts für den Sieg getan…), und jedes Mal, nachdem er gratuliert hatte, wurde fünf Mal laut „Ura“ (also Hurra auf Deutsch)  gerufen. Nachdem alle Soldaten wegmarschiert waren -was ziemlich lange dauerte, weil es so viele waren - wurden die ganzen Panzer und anderen Kriegsmaschinen vorgeführt, und dann war die Parade auch schon zu Ende. Im grossen und ganzen war es ganz interessant, und Gott sei Dank ging das Ganze nur etwas über eine Stunde, es war als aushaltbar.



 Am Abend hiess es dann schon wieder packen. Dabei spielte Julia Gitarre und  Alina, Mai und ich sangen dazu. Es hat schon was tolles, Gastgeschwister im selben Alter zu haben, so hat man immer etwas zu tun. Abreisen wollte ich nicht wirklich, denn ich habe mich sehr gut mit ihnen verstanden und mich in ihren Hund verliebt. Die Mutter ist zwar etwas überfürsorglich und macht alles für ihre Töchter, aber darüber kann man hinwegsehen.
Julia & Mai
Warum der Titel meines Blogs ist „ Wie schnell sich Pläne ändern“? Ich sitze am Flughafen, und warte auf meinen Flug auf die Kamtschatka. Ja, die Halbinsel gaaanz im Osten Russlands, wo die ganzen Bären und Vulkane sind! Geplant war eigentlich, dass ich nach den zehn Tagen Wladiwostok zurück nach Nachodka gehe. Dann ist aber vor einer Woche ein Mail von meinem Cousellor gekommen, in dem steht, dass der Rotary Club Kamtschatka drei Austauschschüler für neun Tage aufnehmen könne. Ich war so glücklich darüber, denn ich hatte mich sehr dafür eingesetzt, dass es klappt. Jetzt fliegen also der Taiwanese Rich, die Amerikanerin Ellen (beide aus Wladiwostok) und ich für neun Tage auf die Kamtschatka! Sogar ein festes Programm für jeden Tag haben wir schon zugeschickt bekommen, was sonst für Russland eher ungewöhnlich ist, und es klingt echt cool!

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