Noch genau eine Woche habe ich übrig bis zum Ende meines „Abenteuers
Russland“. Ich habe schon seit drei Wochen Sommerferien, die einfach nur wie im
Flug vergangen sind.
An meinem letzten
Schulmorgen war ich in meiner ersten Schule, um mich von allen zu
verabschieden, und am Nachmittag bin ich dann in die zweite gegangen. Unterricht
gab es keinen mehr, nur die Zeremonie des „Letzten Klingelns“, bei der die
Abschlussklassen verabschiedet werden.
| Vorbereiten der Zeremonie |
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| Abschlussklasse. Die Mädchen kleiden sich wie am allerersten Schultag und Jungs im Anzug |
In den Ferien habe ich die meiste Zeit damit verbracht,
durch Läden zu rennen, um passende Souvenirs zu finden. Das Resultat ist aber
relativ ernüchternd, denn Nachodka ist nicht wirklich ein Touristenparadies --> Souvenirmangel. Dafür
habe ich eine ganze Reihe interessanter Läden entdeckt, die ganz versteckt
sind. Irgendwie ist deren Marketingkonzept noch wirklich ausgereift, denn oft
kann man erst auf den zweiten Blick erkennen, dass es sich überhaupt um einen
Laden handelt. Dafür ist es drinnen umso interessanter, denn Ketten existieren
praktisch nicht, was das Angebot um einiges abwechslungsreicher macht. Und
natürlich habe ich mich mit Freunden getroffen, die ich teilweise schon
monatelang nicht mehr gesehen hatte.
Am 8. Juni ging’s für mich dann in ein Englischlager. Sommerlager
gehören richtig zur Kultur Russlands. Es gibt kaum Familien, die Kinder nicht
in Lager schicken, denn was soll man sonst mit ihnen während der dreimonatigen
Sommerferien anstellen? Meist dauert ein
solches Lager einen ganzen Monat; meines jedoch nur zwei Wochen. Um in ein Lager
zu gehen braucht man eine Bestätigung vom Arzt, dass man gesund ist. Also kam auch
ich so noch zu meinem russischen Krankenhauserlebnis. Ich kann nur sagen, dass
ich froh bin, dass ich nicht wirklich krank war. Erst mal musste ich ewig lange
in einem schmalen Korridor warten, und dann machte die Ärztin auch noch einen
riesen Stress. Kein Wunder, denn für die Kontrolle musste ich umgerechnet
gerade mal sechs Franken bezahlen, und zwar direkt der Ärztin. Der
durchschnittliche Lohn eines normalen Arztes beträgt in Russland übrigens gerade
mal 550 Franken im Monat. Wie man davon leben kann ist mir ehrlich gesagt
schleierhaft. Naja egal, meine Erlaubnis habe ich bekommen.
Als ich mich von meiner Gastmutter fürs Lager verabschiedet
hatte wurde ich schon beinahe sentimental; irgendwie setzte mir der Gedanke,
dass ich nur noch drei Wochen übrig hatte etwas zu. Das Lager ist bis jetzt
echt der Hammer. Jeder Tag fängt mit Morgenturnen um acht Uhr an, worauf knapp
fünf Stunden Englischunterricht folgen. Es sind noch zwei andere
Austauschschüler aus Irkutsk im Lager, und wir leiten meist irgendeine Lektion,
denn wie schon gesagt, der Englischlevel der Russen ist relativ niedrig.
| Morgenturnen |
Die Kinder im Lager sind einfach nur super, ich verstehe
mich mit allen extrem gut. Von den Kleinen werden die Brasilianerin und ich
jeden Tag umarmt und wir gehen ganz oft händchenhaltend mit ihnen rum. Kurzum:
Ein würdiger Abschluss.
| Brasilianerin, Leiterin, ich und Zimmergenossin |

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